Hypophosphatämie
Englisch: hypophosphatemia
Definition
Unter einer Hypophosphatämie versteht man einen erniedrigten Phosphatspiegel im Blut.
Abgrenzung
Nach Serumphosphatspiegel wird die Hypophosphatämie unterteilt in:
- leicht: 0,6–0,8 mmol/l
- moderat: 0,3–0,6 mmol/l
- schwer: < 0,3 mmol/l
Das Gegenteil einer Hypophosphatämie ist die Hyperphosphatämie.
Hinweis: Referenzwerte sind häufig vom Messverfahren abhängig und können von den o.a. Werten abweichen. Ausschlaggebend sind die Referenzwerte, die vom Labor angegeben werden, das die Untersuchung durchführt.
Ätiologie
Verminderte Aufnahme:
- Vitamin-D-Mangel (D-Hypovitaminose)
- einseitige Ernährung bzw. Mangelernährung (wie bei der Anorexia nervosa)
- chronische Diarrhö
- Einnahme von Antazida
Vermehrte renale Ausscheidung:
Intrazelluläre Verschiebung:
Weitere:
Pathophysiologie
Phosphat ist essenziell für die ATP-Synthese, die Zellmembran-Struktur (Phospholipide) und die Signaltransduktion. Ein Mangel führt u.a. zu:
- verminderter Energiebereitstellung (ATP-Depletion)
- gestörter Oxygenierung durch reduzierte 2,3-Bisphosphoglycerat-Spiegel in Erythrozyten
- eingeschränkter Knochenmineralisation (Osteomalazie)
Die renale Phosphatausscheidung wird primär durch Parathormon und FGF23 reguliert.
Klinik
Eine leichte Hypophosphatämie verläuft meist asymptomatisch. Bei schwerem oder chronischem Mangel kann es jedoch zu potenziell lebensbedrohlichen Symptomen kommen:
- Anorexie
- Osteomalazie
- Rhabdomyolyse
- respiratorische Insuffizienz durch Muskelschwäche
- kardiale Dysfunktion (Arrhythmien, Herzinsuffizienz)
- Schwere neurologische Störungen
- Hämolytische Anämie
- Beeinträchtigung der Leukozyten- und Thrombozytenfunktion
Therapie
Die Behandlung der Hypophosphatämie richtet sich nach Schweregrad und zugrunde liegender Ursache. Leichte Formen werden in der Regel durch eine orale Phosphatsubstitution therapiert, während bei schweren oder symptomatischen Verläufen eine intravenöse Substitution unter engmaschigem Monitoring erforderlich ist. Zusätzlich sollte stets eine gezielte Therapie der Grunderkrankung erfolgen, beispielsweise durch Vitamin-D-Gabe oder Anpassung auslösender Medikamente. Eine zu rasche Korrektur ist zu vermeiden, da hierbei das Risiko einer Hypokalzämie sowie von Weichteilkalzifikationen besteht.