Heparin-induzierter Plättchenaktivierungstest
Synonym: HIT-Bestätigungstest
Definition
Der Heparin-induzierte Plättchenaktivierungstest, kurz HIPA-Test, ist ein funktioneller Labortest zum Nachweis einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie Typ II (HIT II). Er weist die Heparin-abhängige Aktivierung von Thrombozyten durch Antikörper gegen den Komplex aus Plättchenfaktor 4 (PF4) und Heparin nach und wird aufgrund seiner hohen Spezifität vor allem als Bestätigungstest eingesetzt.
Indikationen
- Verdacht auf Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II, insbesondere bei intermediärer oder hoher Vortestwahrscheinlichkeit nach dem 4T-Score
- Bestätigung eines positiven HIT-ELISA-Tests
- Unklare Thrombozytopenie unter Heparintherapie
- Abklärung von thrombotischen Komplikationen bei Patienten mit Heparinexposition
Material
- Patientenserum oder citratantikoaguliertes Plasma
- gewaschene Thrombozyten von mindestens vier ausgewählten Spendern mit bekannter Reaktivität
- unfraktioniertes Heparin in niedriger (ca. 0,2 IE/ml) und hoher (ca. 100 IE/ml) Konzentration
- Pufferlösung, Magnetrührstäbchen, Mikrotiterplatten
Durchführung
Vor Durchführung sollte die klinische Vortestwahrscheinlichkeit mit dem 4T-Score abgeschätzt werden. Dieser Score basiert auf wenigen klinischen Variablen: der Thrombozytenzahl, dem Zeitpunkt des Thrombozytenabfalls, dem Auftreten von Thrombosen sowie möglichen alternativen Ursachen für eine Thrombozytopenie.
Im HIPA-Test wird hitzeinaktiviertes Patientenserum mit gewaschenen Spenderthrombozyten und Heparin in unterschiedlichen Konzentrationen inkubiert. Die Reaktionsansätze werden auf einer Mikrotiterplatte unter Schütteln bei Raumtemperatur überwacht. Die Aggregation wird visuell anhand der Trübung beziehungsweise bei optischer Aggregometrie photometrisch beurteilt.
Klassischerweise werden vier Ansätze pro Spender angesetzt:
- Patientenserum ohne Heparin
- Patientenserum mit niedriger Heparinkonzentration
- Patientenserum mit hoher Heparinkonzentration
- Pufferkontrolle
Interpretation
Die Beurteilung erfolgt anhand des Aggregationsmusters:
- Positiv: Aggregation bei niedriger Heparinkonzentration, aber keine oder deutlich abgeschwächte Aggregation bei hoher Heparinkonzentration; vereinbar mit HIT Typ II
- Negativ: keine Aggregation in den heparinhaltigen Ansätzen
- Nicht verwertbar: Aggregation auch ohne Heparin (unspezifische Aktivierung)
Damit ein Ergebnis als positiv gewertet wird, muss die typische Reaktion in der Regel mit Thrombozyten von mindestens zwei unabhängigen Spendern reproduzierbar sein.
Cave: Ein negatives Testergebnis schließt eine HIT bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit nicht sicher aus. In unklaren Fällen wird der Serotonin-Release-Assay (SRA) als sensitiverer Referenztest eingesetzt.
Quellen
- Greinacher A. Heparin-Induced Thrombocytopenia. N Engl J Med. 2015;373(3):252–261.
- Cuker A, Arepally GM, Chong BH et al. American Society of Hematology 2018 guidelines for management of venous thromboembolism: heparin-induced thrombocytopenia. Blood Adv. 2018;2(22):3360–3392.
- Greinacher A, Michels I, Kiefel V, Mueller-Eckhardt C. A rapid and sensitive test for diagnosing heparin-associated thrombocytopenia. Thromb Haemost. 1991;66(6):734–736.