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Eye Movement Desensitization and Reprocessing

Synonyme: EMDR

1 Definition

Als Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, wird ein von Shapiro und Hofmann entwickeltes Verfahren zur Behandlung traumatischer Erinnerungen (z.B. nach Kriegserlebnissen, Katastrophen, Vergewaltigung etc.) bezeichnet. Es basiert auf neueren Erkenntnissen der Traumaforschung und gilt als therapeutischer Bestandteil im Rahmen des Gesamtbehandlungsplanes der Traumabearbeitung und Traumaintegration. EMDR umfasst sowohl verhaltenstherapeutische, psychoanalytische und psychodynamische Elemente.

siehe auch: Traumatherapie

2 Theorie

Wenn ein schweres psychiches Trauma mit großem Stress auftritt, so Sapphos Theorie, können die kognitiven und neurologischen Coping-Mechanismen überfordert werden. Die Erinnerung sowie die dazu gehörenden Reize werden nicht mehr adäquat verarbeitet. Es kommt zu einer dysfunktionalen Speicherung der Gedächtnisinhalte (implizite und explizite Erinnerung). Die traumatische Erinnerung soll im Rahmen der EMDR Behandlung mit auditiven und taktilen Reizen sowie Augenbewegungen kombiniert werden. Dadurch sollen beide Hirnhemisphären stimuliert werden und eine neue Vernetzung der Gedächtnisinhalte initiiert werden. Das Ziel der Therapie ist die traumatischen Erinnerung zu verarbeiten und anpassbarere Copingmechanismen zu entwickeln.

3 Indikationen

  • Posttraumatische Belastungsstörung PTSD
  • Traumatische Erlebnisse bei Erwachsenen und Kindern
  • dissoziative Störungen
  • Rückfallprophylaxe bei Alkoholismus

4 Vorgehensweise

Die Behandlung setzt sich aus folgenden Schritten zusammen:

  • Anamnese und Behandlungsplanung
  • Vorbereitung
  • Einschätzung
  • Desensibilisierung
  • Verankerung eines positiven Gedankens
  • Überprüfung der Körperempfindungen
  • Abschluss
  • nochmalige Überprüfung

Am Beginn der Therapiesitzung wird der Patient dazu aufgefordert die Schmerzhaftigkeit seiner Erinnerung auf einer Skala von 0 bis 10 anzugeben. (subjective units of discomfort, SUD). Im nächsten Schritt wird mit dem Patienten gemeinsam die Vorstellung eines "sicheren Ortes" erarbeitet (Eine Erinnerung, die den Patienten glücklich macht und beruhigt). Dieser soll als Hilfe und Rückzugsgebiet dienen, falls die EMDR zu belastend wird oder unterbrochen werden muss. Im nächsten Schritt wird der Patient gebeten an einen konkreten Bestandteil seiner traumatisierenden Erinnerung denken. Das könnte sein:

  • Ein inneres Bild (z.B. Kriegsszene, Autowrack, etc.)
  • Ein mit der Erinnerung verbundener negativer Gedanke über sich selbst (z.B. "ich habe versagt", "ich kann mich nicht wehren", "es ist alles meine Schuld")
  • Eine Körperempfindung, die der Patient bei Erinnerung an das Trauma empfindet (z.B. Herzrasen, Schwitzen, Zittern)

Nun wird der Patient dazu aufgefordert dem Finger des Untersuchers zu folgen, der sich mit mittlerer Geschwindigkeit hin und her bewegen sollte. Die Augenbewegungen werden nach 20-40 Bewegungsfolgen unterbrochen. Danach wird der Patient gebeten seine aufgekommenen Gefühle, Bilder, Emotionen und Erinnerungen kurz zusammenzufassen. Im nächsten Schritt kann der Untersucher den Patienten erneut bitten ein aufgekommenes Bild oder Gefühl innerlich zu fokussieren und von neuem mit den Augenbewegungen zu beginnen. Im Verlauf der Behandlung sollte sich die subjektive Schmerzhaftigkeit veringern. Angestrebt werden SUD-Werte von 0-1.

5 Risiken und Komplikationen

  • Überforderung
  • Destabilisierung des Patienten
  • vermehrt flashbacks
  • Retraumatisierung durch die Behandlung
  • Reaktivierung von suizidalen Tendenzen

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