Traumatherapie
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Loslegenvon altgriechisch: τραύμα ("trauma") – Wunde, Verletzung
Synonym: Psychotraumatherapie
Englisch: trauma therapy, trauma-focused therapy
Definition
Die Traumatherapie ist die psychotherapeutische Behandlung von Patienten, die einem einschneidenden traumatischen Lebensereignis ausgesetzt waren. Ihr Schwerpunkt ist die Behandlung von psychischen Beschwerden und Traumafolgestörungen.
Hintergrund
Traumatische Belastungen können sowohl akut als auch über über längere Zeiträume auftreten. Nicht jede belastende Erfahrung führt zu einer behandlungsbedürftigen Störung. Auch nach schweren Ereignissen können sich Beschwerden spontan zurückbilden. Bei Kindern und Jugendlichen werden alters- und entwicklungsangepasste traumafokussierte psychotherapeutische Verfahren eingesetzt. Dabei können auch Bezugspersonen einbezogen werden.[1]
Indikationen
Die bekanntesten Indikationen für die Traumatherapie sind die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und die komplexe PTBS (kPTBS).
Diagnostik
Vor Beginn einer Traumatherapie erfolgt in der Regel eine diagnostische Einschätzung der Beschwerden und ihrer funktionellen Auswirkungen. Dabei werden Symptome einer PTBS bzw. kPTBS sowie mögliche Begleiterkrankungen, z.B. Depression, Angststörungen, Drogenkonsum oder Dissoziation, erhoben. Bei entsprechender klinischer Situation erfolgt auch eine Einschätzung des Suizid- und Selbstgefährdungsrisikos.
Durchführung
In der Traumatherapie gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze. Die Wahl des geeigneten Ansatzes richtet sich nach Diagnose, Symptomatik, Komorbiditäten, Alter und Bedürfnissen des Patienten.
Die unmittelbare Versorgung nach einem traumatischen Ereignis ist von der Behandlung einer bestehenden Traumafolgestörung zu unterscheiden. Eine gesonderte Stabilisierungsphase vor einer traumafokussierten Psychotherapie ist nicht grundsätzlich erforderlich, sondern richtet sich nach der individuellen klinischen Situation.[1]
Akuttherapie und Stabilisierung
Unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis stehen zunächst die Gewährleistung von Sicherheit, die medizinische und psychosoziale Versorgung sowie Orientierung und soziale Unterstützung im Vordergrund. Bei anhaltenden oder ausgeprägten Beschwerden erfolgt eine klinische Verlaufskontrolle und gegebenenfalls eine frühzeitige Behandlung.
Folgetherapie
Bei einer behandlungsbedürftigen PTBS kommen traumafokussierte psychotherapeutische Verfahren zum Einsatz. Hierzu gehören verschiedene Formen der traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie sowie Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR).[1] Je nach Verfahren werden traumabezogene Erinnerungen, Bewertungen und Vermeidungsverhalten gezielt bearbeitet. Bei komplexen Traumafolgestörungen können zusätzlich stabilisierende und auf die Regulation von Emotionen und zwischenmenschlichen Beziehungen ausgerichtete Interventionen erforderlich sein. Ergänzend werden adjuvante Verfahren wie Sport- und Bewegungstherapie im Rahmen eines traumaspezifischen, multimodalen Behandlungsplans eingesetzt.[1]
Medikamentöse Therapie
Psychopharmaka gelten als Zweitlinientherapie und können bei bestimmten Patienten ergänzend eingesetzt werden, vor allem bei unzureichendem Ansprechen auf oder fehlender Verfügbarkeit einer traumafokussierten Psychotherapie. Eine routinemäßige medikamentöse Behandlung unmittelbar nach einem Trauma zur Verhinderung einer PTBS ist nicht indiziert.
Prognose
Die Prognose hängt unter anderem von Art und Dauer der traumatischen Erfahrungen, der Symptomatik, den Komorbiditäten und den sozialen Ressourcen ab. Eine PTBS ist grundsätzlich behandelbar, auch bei länger bestehenden Beschwerden können traumafokussierte psychotherapeutische Verfahren zu einer deutlichen Symptomreduktion führen. Bei komplexen oder wiederholten Traumatisierungen kann die Behandlung länger dauern. Ihr Erfolg ist schwer einzuschätzen.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung, Version 7.0. AWMF-Registernummer 155-001. 2026. Verfügbar unter: S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung.