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Elektronystagmographie

(Weitergeleitet von Elektrookulographie)

Synonyme: Nystagmographie, Elektrookulographie, EOG, ENG
Englisch: electronystagmography

1 Definition

Als Elektronystagmographie, kurz ENG, bezeichnet man ein in der HNO-Heilkunde angewandtes Untersuchungsverfahren zur Registrierung schneller Augenbewegungen mit Hilfe von aufgeklebten Elektroden.

2 Indikationen

Die Elektronystagmographie wird zur objektiven Beurteilung des okulomotorischen und vestibulären Systems bei Patienten mit Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen eingesetzt. Sie ist der am weitesten verbreitete klinische Test, um die Gleichgewichtsfunktion zu prüfen.

3 Prinzip

Das menschliche Gleichgewichtssystem registriert ununterbrochen die räumliche Position und sämtliche Bewegungen von Körper und Körperteilen. Die Rauminformationen sind u.a. nötig um die Augenbewegungen zu koordinieren. So werden bei Veränderung der Raumlage die Augen stabil gehalten und ein ungestörtes Sehen ermöglicht. Für das Gleichgewicht und das Sehen ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Prozesse im vestibulären und visuellen System, sowie von Afferenzen aus dem Rückenmark und die Hirnstammreflexe (v.a. vestibulookulärer Reflex) notwendig. Viele diese Funktionen können im ENG getestet werden.

Zur ENG-Untersuchung gehören also:

  • Prüfung der Augenbewegungen: Der Patient soll z.B. mit seinen Augen bewegende Objekte verfolgen, die Bewegungen werden dabei dokumentiert. Die korrekte Funktion der Augenmuskeln und der sie versorgenden Nerven an sich ist dabei vorausgesetzt.
  • Prüfung der Reaktion des Gleichgewichtssystems auf Lage bzw. Lagerung
  • Prüfung der Reaktion des Gleichgewichtsystems auf kalorische Reizung

Fehlfunktionen äußern sich als pathologischer Nystagmus.

Moderne ENG-Systeme sind computergesteuert - von der Reiz-Erzeugung, Registrieren der Antwort über Elektroden bis hin zur automatischen Auswertung.

4 Vorbereitung

Voraussetzung für die Durchführung eines ENGs ist es, dass der Patient über ein ausreichendes Sehvermögen verfügt. Vor der Untersuchung wird eine gründliche Anamnese erhoben und der Patienten aufgeklärt bzw. angeleitet. Mögliche unerwünschte Wirkungen, die beim ENG auftreten können, sind Schwindel und Übelkeit.

5 Möglichkeiten

Die ENG kann wichtige Erkenntnisse zur Krankengeschichte und der vom Patienten beschriebenen Symptomatik liefern und ermöglicht so oft schon eine Diagnose. Ein Vergleich einzelner Test-Komponenten (z.B. kalorischer Nystagmus und Lagerungsnystagmus) kann auf die grobe Lokalisation der Funktionsstörung hinweisen (z.B. periphere Gleichgewichtsstörung vs. zentrale Gleichgewichtsstörung). Eine genaue Lokalisation von Läsionen im Gleichgewichtssystem ist mit der ENG alleine nicht möglich.

Ein normales ENG schließt das Vorhandensein einer Störung des Vestibularsystems nicht aus. Durch bestimmte Medikamente kann das Testergebnis beeinträchtigt werden.

6 Alternative

Als Alternative zur Elektronystagmographie werden auch die Videonystagmographie (VNG), die Registrierung der Augenbewegungen mit einer Videokamera, und die Infrarotokulographie (IROG) zunehmend beliebter.

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