Dual-HOPE
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Abkürzungen: D-HOPE, DHOPE
Synonym: duale hypotherme oxygenierte Maschinenperfusion
Englisch: dual hypothermic oxygenated machine perfusion
Definition
Die Dual-HOPE, kurz D-HOPE, ist eine Variante der hypothermen oxygenierten Maschinenperfusion (HOPE) von Spenderlebern, bei der das oxygenierte Perfusat sowohl über die V. portae als auch über die A. hepatica zugeführt wird.
Der wesentliche Unterschied zur klassischen HOPE besteht damit in der dualen Gefäßperfusion: Während bei der HOPE ausschließlich eine portalvenöse Perfusion erfolgt, werden bei der D-HOPE beide hepatischen Zuflussgefäße perfundiert.
Durchführung
Die D-HOPE erfolgt unter hypothermen Bedingungen, typischerweise bei etwa 8 bis 12 °C.[1] V. portae und A. hepatica werden jeweils an den Perfusionskreislauf angeschlossen und mit aktiv oxygenierter Konservierungslösung perfundiert.
Dabei erfolgt die portalvenöse Perfusion üblicherweise kontinuierlich, während die arterielle Perfusion pulsatil durchgeführt werden kann. Die Perfusionsdrücke werden aufgrund der unterschiedlichen Gefäßphysiologie getrennt reguliert.
D-HOPE wird häufig endischämisch eingesetzt. Das Organ wird dabei nach Entnahme und Transport zunächst statisch kalt gelagert und erst im Transplantationszentrum vor der Implantation an das Perfusionssystem angeschlossen.
Bedeutung
Die grundlegenden Wirkmechanismen entsprechen denen der HOPE. Durch die hypotherme Oxygenierung sollen insbesondere der mitochondriale Energiestatus wiederhergestellt und der nachfolgende Ischämie-Reperfusionsschaden reduziert werden.
Die deutsche S2k-Leitlinie zur Lebertransplantation nennt die hypotherme Maschinenperfusion als Möglichkeit zur Verbesserung marginaler Spenderlebern; die Anwendung der Maschinenperfusion sollte nach dieser Leitlinie möglichst im Rahmen klinischer Studien erfolgen.[2]
Die zusätzliche arterielle Perfusion ermöglicht im Gegensatz zur rein portalvenösen HOPE die direkte Durchströmung der A. hepatica und damit des arteriell versorgten Gallengangsystems. Ob die duale Perfusion gegenüber einer alleinigen portalvenösen HOPE einen klinisch relevanten zusätzlichen Nutzen bietet, ist jedoch nicht abschließend geklärt.
Besonders untersucht wurde D-HOPE bei DCD-Lebern. In einer randomisierten kontrollierten Studie führte eine mindestens zweistündige D-HOPE von DCD-Transplantaten gegenüber alleiniger statischer Kaltlagerung unter anderem zu einer geringeren Rate symptomatischer nicht-anastomotischer Gallengangsstrikturen sowie zu einer geringeren Rate an Early Allograft Dysfunction und Postreperfusionssyndromen.[3]
D-HOPE ist darüber hinaus Gegenstand der Forschung zur verlängerten Organkonservierung. Durch eine prolongierte Perfusion kann die Implantation zeitlich flexibler geplant und beispielsweise in die Tageszeit verschoben werden.
Risiken
Die D-HOPE gilt in klinischen Serien als technisch machbar und insgesamt sicher, ist aber mit verfahrensspezifischen Risiken der ex-situ-Perfusion verbunden.[4][5] Zu den technischen Risiken gehören Probleme der Kanülierung, Leckagen oder Luftembolisation im Perfusionskreislauf sowie ein Verfahrensabbruch bei unzureichender Oxygenierung oder Störung des Systems.[6] Wesentlich ist die strikte Kontrolle der Perfusionsdrücke, da zu hohe Drücke unter hypothermen Bedingungen zu endothelialem Scherstress, Sinusoidalschädigung und Ödembildung beitragen können.[7][8] Bei prolongierter Perfusion sind zusätzlich Störungen des Perfusat- oder Gerätesystems, zunehmende Gefäßwiderstände und eine dadurch begünstigte Organschädigung zu beachten; als klinisch relevante Folgen kommen insbesondere erhöhte Resistenz, frühe Graft-Dysfunktion und biliäre Komplikationen in Betracht.[6][9]
Quellen
- ↑ van Leeuwen et al., ‘Back-to-base’ combined hypothermic and normothermic machine perfusion of human donor livers, Nature Protocols, 2025
- ↑ S2k-Leitlinie Lebertransplantation, AWMF-Registernummer 021-029, Stand Dezember 2023, abgerufen am 29.09.2026
- ↑ van Rijn et al., Hypothermic Machine Perfusion in Liver Transplantation — A Randomized Trial, New England Journal of Medicine, 2021
- ↑ van et al., Dual hypothermic oxygenated machine perfusion in liver transplants donated after circulatory death, Br J Surg, 2017
- ↑ van et al., Hypothermic Machine Perfusion in Liver Transplantation. Reply, N Engl J Med, 2021
- ↑ 6,0 6,1 Prolonged DHOPE-PRO trial protocol, Prolonged dual hypothermic oxygenated machine perfusion in liver transplantation, BMJ Open, 2022, abgerufen am 29.09.2026
- ↑ Machine perfusion strategies in liver transplantation, Machine perfusion strategies in liver transplantation, World J Gastroenterol, 2019, abgerufen am 29.09.2026
- ↑ Hypothermic Machine Preservation of the Liver: State of the Art, Hypothermic Machine Preservation of the Liver: State of the Art, Curr Transplant Rep, 2018
- ↑ Prolonged hypothermic machine perfusion enables daytime liver transplantation – an IDEAL stage 2 prospective clinical trial, Prolonged hypothermic machine perfusion enables daytime liver transplantation – an IDEAL stage 2 prospective clinical trial, eClinicalMedicine, 2023, abgerufen am 29.09.2026
Literatur
- van Rijn et al., Dual hypothermic oxygenated machine perfusion in liver transplants donated after circulatory death, British Journal of Surgery, 2017
- Wehrle et al., Machine perfusion in liver transplantation: recent advances and coming challenges, Curr Opin Organ Transplant., 2024