Cultured Thymus Tissue Implantation
von englisch: cultured - kultiviert, thymus tissue - Thymusgewebe, implantation - Implantation
Definition
Die Cultured Thymus Tissue Implantation, kurz CTTI, ist ein chirurgisches Verfahren zur Behandlung von Säuglingen mit angeborenem fehlendem Thymus (kongenitaler Athymie). Dabei wird kultiviertes allogenes Thymusgewebe aus Spender‑Neugeborenen in einen Muskel (Musculus quadriceps femoris) des Patienten implantiert, um eine funktionelle Thymopoese und T‑zellbasierte Immunität zu rekonstituieren.
Hintergrund
Das Duke Children’s Hospital in Durham, North Carolina in den USA ist derzeit die einzige Klinik, welche die CTTI bei angeborenem Thymusmangel durchführt (Stand 2026).
Durchführung
Bei der CTTI wird das Thymusgewebe von Neugeborenen ohne Athymie gewonnen, die eine Herzoperation mit Thymektomie erhalten. Nach Entnahme wird das Gewebe in dünne Scheiben geschnitten und 12–21 Tage lang kultiviert, um T‑Zellen zu entfernen und das Gewebe unter Laborbedingungen zu stabilisieren. Unter Allgemeinanästhesie werden die Thymusscheiben in Muskeltaschen des Musculus quadriceps femoris eingelegt. Alternativ wird in der Forschung auch die Implantation unter die Nierenkapsel beschrieben, bei der kapillare Gefäße aus dem umgebenden Gewebe in das Thymusimplantat wachsen und es mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.
Indikation
Die CTTI‑Implantation ist indiziert bei Säuglingen mit angeborenem Thymusmangel, z.B. in Form des kompletten DiGeorge‑Syndroms oder verwandter Syndrome.
Diese Kinder weisen einen starken T‑Zell‑Mangel mit massiv erhöhtem Risiko für lebensbedrohliche Infektionen, Autoimmunerkrankungen und Tumorassoziation auf. Das Verfahren zielt darauf ab, innerhalb von Monaten eine funktionelle, tolerante, rezeptor-angepasste T‑Zell‑Immunität zu etablieren.
Kontraindikation
Das Verfahren ist noch nicht in Leitlinien etabliert (2026) und hat formal keinen Standard. CTTI wird in der Praxis nicht durchgeführt bei:
- Sepsis, schwerer aktiver Infektion oder nicht beherrschbaren Infektionen zum Zeitpunkt der Indikation
- Unkontrollierten schweren Autoimmunkrankheiten oder anderen T‑zell‑basierten Erkrankungen, die die Immunrekonstitution wesentlich beeinträchtigen oder die Interpretation erschweren
- Patienten mit schwerer, nicht‑immunologischer Mehrorgansystem‑Schwäche, bei denen der erwartete Nutzen einer langsam einsetzenden T‑Zell‑Rekonstitution voraussichtlich gering ist
Nachbehandlung
Unmittelbar nach der Implantation erfolgt die engmaschige Überwachung auf Infektionen, chirurgische Komplikationen und frühe Immunreaktionen.[1] Langfristig werden die T‑Zell‑Rekonstitution (CD4‑, CD8‑Zell‑Zahl, TRECs, Immunphänotyp) über Monate bis Jahre mittels durchflusszytometrischer Untersuchungen verfolgt. Der Aufbau funktioneller T‑Zellen kann 12–18 Monate in Anspruch nehmen. Ein Ziel der CTTI ist die induzierte Toleranz gegen das Spender‑MHC, sodass in vielen Fällen eine Immunsuppression nicht oder nur begrenzt nötig ist.
Literatur
- Duke Health, Cultured Thymus Tissue Implantation (CTTI), abgerufen am 28.4.26
- Kwun et al., Cultured thymus tissue implantation promotes donor-specific tolerance to allogeneic heart transplants, 2020
- Hale et al., Reconstitution of thymopoiesis via implantation of cryopreserved cultured thymus tissue into athymic recipients, 2026