Critical Incident Stress Management
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
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Synonym: Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen (SbE); Stressbewältigung für Einsatzkräfte (SfE)
Definition
Critical Incident Stress Management, kurz CISM, bezeichnet ein strukturiertes, multikomponentiges Kriseninterventionssystem zur Prävention und Behandlung psychischer Belastungsreaktionen nach traumatischen Einsatzereignissen. Es richtet sich primär an Einsatzkräfte (Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Militär) sowie sekundär betroffene Berufsgruppen.
Hintergrund
Das CISM-Konzept wurde vom amerikanischen Psychologen und ehemaligen Feuerwehrmann Jeffrey T. Mitchell entwickelt und in den 1980er-Jahren systematisiert. Es gilt international als Referenzrahmen für die psychosoziale Einsatznachsorge. Im deutschsprachigen Raum wurde das Konzept unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) auf Basis von Studien der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) adaptiert und in die jeweiligen Strukturen des Hilfeleistungssystems integriert.
Komponenten
CISM ist kein Einzelverfahren, sondern ein mehrstufiges System. Zu den zentralen Interventionsformaten zählen:
| Komponente | Inhalt |
|---|---|
| Pre-Incident Education | Vorbereitung und psychoedukative Schulung vor belastenden Einsätzen |
| Defusing | Kurzes strukturiertes Gespräch unmittelbar nach dem Einsatz (innerhalb von ca. 8 Stunden), zielt auf emotionale Stabilisierung und Normalisierung der Reaktionen |
| Critical Incident Stress Debriefing (CISD) | Strukturierte Gruppenintervention 24–72 Stunden nach dem Ereignis; umfasst Faktenpräsentation, emotionale Verarbeitung und psychoedukative Abschlussphase |
| One-on-One-Krisenintervention | Individuelle Begleitung bei besonders belasteten Personen |
| Follow-up und Weiterverweisungen | Überleitung in professionelle psychotherapeutische oder psychiatrische Versorgung bei Bedarf |
Indikation
CISM ist indiziert nach Ereignissen mit hohem traumatischem Potenzial, u. a. nach dem Tod von Kollegen im Dienst, Massenanfallereignissen, dem Tod von Kindern oder dem Versagen lebensrettender Maßnahmen trotz regelrechten Vorgehens.
Wirksamkeit und Kontroverse
Die empirische Evidenzlage ist heterogen. Während Einzel- und Gruppeninterventionen im Rahmen von CISM bei rechtzeitiger und fachgerechter Durchführung zur Reduktion akuter Belastungssymptome beitragen können, wurde insbesondere das isoliert eingesetzte CISD-Debriefing in randomisierten Studien kritisch bewertet. Eine Überlegenheit gegenüber natürlicher Erholung ohne Intervention konnte für Einzeldebriefings nicht konsistent belegt werden; in einzelnen Studien zeigte sich sogar ein ungünstiger Effekt.[1] Der Einsatz von CISM als Gesamtsystem – mit adäquater Selektion der Intervention und Einbindung in Organisationsstrukturen – wird jedoch weiterhin befürwortet.
Abgrenzung
CISM ist keine Psychotherapie und ersetzt keine klinische Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Es handelt sich um ein psychosoziales Unterstützungsangebot auf Peer- und Fachebene, das der Sekundärprävention dient.
Literatur
- Mitchell JT, Everly GS Jr. Critical Incident Stress Debriefing: An Operations Manual for CISD, Defusing and Other Group Crisis Intervention Services. 3rd ed. Ellicott City, MD: Chevron Publishing; 2001.
- Mitchell, J. T., & Everly, G. S., Jr. (2023). Critical incident stress management (CISM). In M. L. Bourke, V. B. Van Hasselt, & S. J. Buser (Eds.), First responder mental health: A clinician’s guide (pp. 179–209). Springer Nature Switzerland AG.
Quellen
- ↑ Rose S, Bisson J, Churchill R, Wessely S. Psychological debriefing for preventing post traumatic stress disorder (PTSD). Cochrane Database Syst Rev. 2002;(2):CD000560.