Boston Naming Test
Definition
Der Boston Naming Test, kurz BNT, ist ein neuropsychologisches Verfahren zur Erfassung der Wortfindungs- und Benennleistung. Er prüft die Fähigkeit, abgebildete Objekte korrekt zu benennen, und dient damit der Beurteilung lexikalisch-semantischer Sprachfunktionen. Er ist Bestandteil einer umfassenden neuropsychologischen Diagnostik (z.B. in der CERAD-Testbatterie) und nicht als alleinige Grundlage für Diagnosen geeignet.
Hintergrund
Anomie ist ein häufiges Symptom bei Aphasie nach Schlaganfall sowie bei neurodegenerativen Erkrankungen mit semantischer Beteiligung. Der BNT wird eingesetzt bei Verdacht auf oder Verlaufskontrolle von u.a.:
- Aphasie und anderen erworbenen Sprachstörungen
- neurodegenerativen Erkrankungen mit sprachlicher oder semantischer Beteiligung
- kognitiven Störungen, bei denen Wortfindung und semantisches Wissen diagnostisch relevant sind
- prä- und postoperativer neuropsychologischer Diagnostik (z.B. bei Hirntumoren oder Epilepsiechirurgie)
Die Testleistung wird durch Alter, Bildung, Sprachkompetenz und kulturelle Faktoren beeinflusst. Die Interpretation erfolgt normbezogen und kontextabhängig.
Durchführung
Die Standardform umfasst typischerweise 60 schwarz-weiße Strichzeichnungen von Objekten, die in zunehmender Benennungsschwierigkeit bzw. abnehmender Vertrautheit angeordnet sind. Es existieren verschiedene Kurzformen (z.B. 15- oder 30-Item-Varianten), u.a. für Screening- oder Verlaufszwecke.
Der Patient wird aufgefordert, jedes dargestellte Objekt spontan zu benennen. In einigen Protokollen können bei ausbleibender oder falscher Antwort standardisierte Hilfen eingesetzt werden (z.B. phonemische oder semantische Hinweise). Die Durchführung erfolgt unter standardisierten Instruktionen und Zeitvorgaben gemäß Testmanual, um Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
Auswertung
Primär ausgewertet wird die Anzahl korrekt benannter Items. Häufig werden zusätzlich die Wirkung von Hinweisen sowie Fehlertypen berücksichtigt (z.B. semantische Paraphasien, Umschreibungen, Nichtantworten). Die Ergebnisse werden anhand verfügbarer Normwerte interpretiert und mit anderen sprachlichen und kognitiven Befunden integriert, um zwischen unterschiedlichen Störungsprofilen zu unterscheiden.