Behavioral Pain Scale
Definition
Die Behavioral Pain Scale, kurz BPS, ist ein beobachtungsbasiertes Instrument zur Einschätzung von Schmerz bei nicht kommunikationsfähigen erwachsenen Patienten, insbesondere in der Intensivmedizin. Sie dient der strukturierten Erfassung schmerzassoziierter motorischer Verhaltensreaktionen bei sedierten oder maschinell beatmeten Personen, die verbal keine Selbstauskunft geben können.
Hintergrund
In der Intensivmedizin ist eine zuverlässige Schmerzerfassung wichtig, da Schmerzen mit einer Aktivierung neuroendokriner Stressreaktionen, erhöhter Morbidität und ungünstigen klinischen Verläufen assoziiert sind. Bei vielen kritisch kranken Patienten ist eine direkte Kommunikation jedoch nicht möglich, etwa aufgrund von Sedierung, invasiver Beatmung oder neurologischen Einschränkungen. Die Behavioral Pain Scale wurde entwickelt, um in diesen Situationen eine reproduzierbare Schmerzbeurteilung zu ermöglichen, indem beobachtbare Verhaltensparameter systematisch bewertet werden.
Aufbau
Das Konzept der BPS beruht auf der Annahme, dass Schmerz auch ohne verbale Mitteilung durch charakteristische Veränderungen des Verhaltens zum Ausdruck kommt. Die Skala umfasst drei Dimensionen: Gesichtsausdruck, Bewegung der oberen Extremitäten und Anpassung an die maschinelle Beatmung. Jede Dimension wird auf einer vierstufigen Ordinalskala bewertet. Der Gesamtscore ergibt sich aus der Summe der Einzelwerte und erlaubt eine quantitative Einschätzung des beobachteten Schmerzverhaltens.
| Dimension | Score 1 | Score 2 | Score 3 | Score 4 |
|---|---|---|---|---|
| Gesicht | entspannt, ruhig | teilweise angespannt (z.B. Stirnrunzeln) | vollständig angespannt | Grimassieren |
| oberen Extremitäten | keine Bewegung | teilweise gebeugt | Anziehen mit Fingerbewegung | permanentes Zurückziehen |
| Beatmung | toleriert Beatmung | Husten, aber toleriert | kämpft gegen Beatmung | Beatmung nicht kontrollierbar (ausgeprägte Asynchronie) |
Der Gesamtscore reicht von 3 (kein beobachtbarer Schmerz) bis 12 (stark ausgeprägtes Schmerzverhalten).
Interpretation
Niedrige BPS-Werte sprechen für ein geringes Ausmaß beobachtbarer Schmerzreaktionen, während steigende Werte auf zunehmendes Schmerz- oder Distresserleben hinweisen. Die Skala ist primär für die Verlaufsbeurteilung konzipiert, etwa im Zusammenhang mit pflegerischen Maßnahmen, diagnostischen oder therapeutischen Prozeduren sowie zur Evaluation der Wirksamkeit analgetischer Strategien. Erhöhte Werte sollten stets im klinischen Kontext interpretiert werden, da beobachtete Verhaltensreaktionen neben Schmerz auch unspezifisches Unbehagen, Angst oder Beatmungs-Asynchronie widerspiegeln können.
Anwendung
Die Behavioral Pain Scale ist für erwachsene intensivmedizinische Patienten unter maschineller Beatmung validiert. Die Dimension „Anpassung an die Beatmung“ setzt eine invasive Beatmung voraus. Bei nicht intubierten Patienten kommen modifizierte Skalenvarianten zum Einsatz. Die Aussagekraft der BPS ist eingeschränkt bei Einsatz von Muskelrelaxantien, schwerer peripherer Lähmung oder tiefem Koma, da relevante Verhaltensparameter nicht zuverlässig beobachtet werden können. Zudem erlaubt die Skala keine direkte Aussage über das subjektive Schmerzerleben, sondern bildet ausschließlich beobachtbares Verhalten ab.