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Ballenfäule (Wiederkäuer)

Synonyme: Ballenhornfäule, BF
Englisch: heel horn erosion, erosio ungulae, slurry heel

1 Definition

Als Ballenfäule bzw. Ballenhornfäule bezeichnet man eine durch Mazeration und Fäulnisprozessen verursachte Auflösung oberflächlicher bzw. tiefer Schichten des weichen Ballenhorns beim Wiederkäuer.

2 Epidemiologie

Ballenfäule tritt vorwiegend an beiden Hinterklauen auf (v.a. in Anbindehaltung bei Kurzständen). Tiere in Laufstallhaltungen können auch an einer generalisierten Ballenfäule (an allen vier Extremitäten) leiden. In Betrieben mit schlechten hygienischen Bedingungen sind bis zu 100 % der Rinder befallen.

3 Ätiopathogenese

Ballenfäule ist eine Faktorenkrankheit, die durch das Zusammenspiel mehrerer begünstigender Einflüsse entsteht.

Durch unsachgemäße Klauenpflege (zu lange Klauen, Trachtenhöhe zu niedrig geschnitten), spitzgewinkelter Klaue) sowie Verhornungsstörungen nach Klauenrehe oder Dermatitis digitalis (Mortellar-Krankheit) kommt es zu einer falsch verteilten Druckbelastung an der Klaue. Sind die Kühe zusätzlich noch vermehrter Feuchtigkeit, Schmutz sowie Fäulnisbakterien ausgesetzt, kommt es zu einer zunehmenden Mazeration des Ballenhorns. Neben ubiquitär vorkommenden proteolytischen Keimen spielen auch Anaerobier (Bacteroides spp.) ätiologisch eine wichtige Rolle.

In weiterer Folge dringen die Pathogene in das Horn ein und verursachen dort eine weitere Zerstörung und Zersetzung des umliegenden Gewebes. Je nach Fortschritt können die Hornklüfte bis an die Lederhaut reichen und zu schmerzhaften Prozessen führen.

4 Klinik

Das typische Bild einer Ballenfäule ist durch eine gefurchte und zerklüftete Oberfläche im Bereich des Weichballenhorns gekennzeichnet. Meist kommt es zur Ausbildung von plantar-axial nach dorsal-axial konvergierenden, V-förmig verlaufenden Furchen, die im Grenzbereich zum Hartballenhorn liegen. Die Furchen sind dabei meist mit schmierigen Hornzerfallsprodukten und mit Kot gefüllt.

In den meisten Fällen reichen die Zersetzungsprozesse nicht bis an die Lederhaut, sodass die Erkrankung kaum mit Lahmheiten einhergeht. Bei Infektion der Ballenlederhaut (Ballengeschwür) kann es jedoch zur Ablösung bzw. Unterminierung des Ballen- und auch Sohlenhorns sowie zur Ausbildung einer Lahmheit kommen.

5 Komplikation

Bei einer hochgradig ausgebildeten Ballenfäule kommt es meist zu einer schmerzhaften Ballenhypertrophie infolge des andauernden Drucks auf den Weichballen. Es bilden sich Ballengeschwüre, die letztendlich auf tiefer gelegene Strukturen übergreifen (Ballenpolster, tiefe Beugesehne u.ä.).

6 Diagnose

Die Diagnose kann anhand der typischen morphologischen Veränderungen am Ballenhorn gestellt werden. Kleine umschriebene Mazerationsherde sowie V-förmig durchlaufende Furchen sind pathognomonisch für eine Ballenfäule.

7 Therapie

Mithilfe einer fachgerechten Klauenpflege wird der Hauptteil der Belastung auf die Klauenspitze verlagert. Es müssen zwingend alle losen und unterminierten Teile des Ballenhorns bis zum gesunden Horn entfernt werden. Außerdem muss ein flacher Übergang von der Hornsohle zur Furche der Ballenfäule geschaffen werden, damit keine senkrechten Hornkanten auf die Lederhaut im Ballenbereich drücken.

Nach der Klauenpflege kann das ausgeschnittene Hornareal mit Buchenholzteer lokal behandelt werden. Bei hochgradiger Ballenfäule - die mit einer Hypertrophie des Ballens und schmerzhaften Prozessen einhergeht - ist eine entsprechende fachgerechte Klauenpflege vorzunehmen. Nachdem die Defekte freigelegt wurden, ist die Klaue temporär mittels Klotz zu entlasten.

8 Prophylaxe

Neben einer regelmäßigen und fachgerechten Klauenpflege sind hygienische Stallbedingungen unbedingt notwendig, um die Ausbildung einer Ballenfäule zu verhindern. Die Laufflächen müssen mehrmals täglich vom Kot befreit werden und die Liegeboxen sind sauber und trocken zu halten.

9 Quellen

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