Anisotropie (Sonographie)
Synonyme: Anisotropie-Artefakt, Winkelartefakt
Englisch: anisotropy
Definition
Die Anisotropie ist ein winkelabhängiges Artefakt der Sonographie, bei dem Strukturen abhängig vom Winkel des Ultraschallkopfes unterschiedlich dargestellt werden. Es tritt insbesondere bei der Nervensonographie und muskuloskelettalen Ultraschalldiagnostik auf.
Entstehung
Fibrilläre Strukturen wie Sehnen, Nerven oder Bänder bestehen aus parallel angeordneten Fasern. Trifft der Ultraschallstrahl nicht senkrecht, sondern in einem schrägen Winkel auf diese Strukturen, wird ein Großteil der Schallenergie nicht zum Schallkopf zurückgeführt, sondern seitlich reflektiert oder gestreut.
Da der Transducer kein ausreichendes Rückecho empfängt, interpretiert das Ultraschallsystem den Bereich fälschlicherweise als hypoechogen, obwohl die Struktur anatomisch intakt ist.
Die Ausprägung der Anisotropie ist stark vom Einfallswinkel des Ultraschallstrahls (Insonationswinkel) abhängig:
- senkrechter Schalleinfall (90°): maximale Rückstreuung, Struktur erscheint hyperechogen
- schräger Schalleinfall: verminderte Rückstreuung, Struktur erscheint hypoechogen
- erneute Anpassung des Winkels führt zum Wiederanstieg der Echogenität
Das Phänomen ist reproduzierbar und reversibel durch Änderung der Schallkopfposition.
Klinik
Innerhalb ansonsten intakter Sehnen- oder Bandstrukturen zegit sich die Anisotropie als umschriebene oder streifenförmige Hypoechogenität innerhalb ansonsten intakter Sehnen- oder Bandstrukturen. Die betroffene Struktur wirkt dabei echoarm oder echofrei, ohne dass eine tatsächliche strukturelle Kontinuitätsunterbrechung vorliegt. In der Folge kann es zu Fehldiagnosen (z.B. Tendinose oder Sehnenruptur) kommen. Daher ist eine winkelangepasste Untersuchung in mehreren Ebenen essenziell, um anisotropiebedingte Artefakte von echten Pathologien zu unterscheiden.
In der Nervensonographie, bzw. bei ultraschallgestützten Regionalanästhesien, kann die Anisotropie eine korrekte Darstellung der Nerven erheblich beeinflussen. Durch gezielte Winkeländerungen kann die Abgrenzung zu umliegenden Strukturen verbessert bzw. verschlechtert werden.
Literatur
- Morgan M, Murphy A, Yap J, et al. Anisotropy. Reference article, Radiopaedia.org, zuletzt abgerufen am 23.01.2026
- Armbruster W, Eichholz R, Notheisen T: Ultraschall in der Anästhesiologie, 2. Auflage. AEN, 2016