Asiatische Tigermücke
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LoslegenSynonyme: Tigermücke, Stegomyia albopicta, Culex albopictus (obsolet)
Englisch: asian tiger mosquito, forest mosquito
Definition
Die Asiatische Tigermücke, wissenschaftlich Aedes albopictus, ist eine ursprünglich in Süd- und Südostasien heimische Stechmückenart. Als invasive Art hat sie sich in den vergangenen Jahrzehnten in zahlreichen tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen weltweit ausgebreitet und ist als kompetenter Vektor mehrerer humanpathogener Krankheitserreger von zunehmender medizinischer Bedeutung.[1]
Taxonomie
Morphologie
Die Asiatische Tigermücke ist eine vergleichsweise kleine Stechmücke. Die Körperlänge wird je nach Quelle mit etwa 2–10 mm angegeben. Charakteristisch ist die kontrastreiche schwarz-weiße Zeichnung: Der schwarze Körper trägt markante weiße Streifen, insbesondere an Beinen und Thorax. Als wichtigstes Bestimmungsmerkmal gilt eine einzelne, durchgehende silberweiße Längslinie, die über Kopf und Rücken (Scutum) verläuft. Das letzte Beinglied des hinteren Beinpaars weist mehrere weiße Ringe auf. Die Flügel sind klar mit dunklen Adern.
Vorkommen
Während ihre Ursprünge in Asien liegen, hat sich die Asiatische Tigermücke in den vergangenen Jahrzehnten global ausgebreitet. Sie wurde bereits in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Australien nachgewiesen.
In Deutschland wurde die Asiatische Tigermücke erstmals 2007 nachgewiesen. Seither haben sich mehrere stabile Populationen etabliert, vor allem entlang des Oberrheingrabens. Aktuell (2026) beschreibt das Robert Koch-Institut etablierte Vorkommen unter anderem in Teilen Baden-Württembergs, in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie in einzelnen Städten Bayerns, Thüringens und in Berlin.[2] Die am Friedrich-Loeffler-Institut angesiedelte Nationale Expertenkommission dokumentiert die Verbreitung auf einer regelmäßig aktualisierten Landkreiskarte.[3]
Die kälteresistenten Eier ermöglichen die Überwinterung; steigende Jahresmitteltemperaturen begünstigen die weitere Ausbreitung nach Norden.[2]
Habitat
Die Asiatische Tigermücke lebt vorwiegend synanthrop, also in der Nähe des Menschen, und besiedelt zunehmend urbane und suburbane Lebensräume. Als Brutstätten dienen kleinste künstliche Wasseransammlungen wie Regentonnen, Gießkannen, Topfuntersetzer, Vasen, Vogeltränken, verstopfte Dachrinnen, Gullys oder Altreifen.
Lebenszyklus
Ein Weibchen kann im Laufe seines Lebens mehrere Hundert Eier ablegen. Die Eier werden einzeln knapp oberhalb der Wasserlinie an feuchte Oberflächen geklebt. Sie sind ausgeprägt austrocknungs- und kälteresistent und schlüpfen erst bei erneutem Kontakt mit Wasser. Aus den Eiern entwickeln sich über vier Larvenstadien und ein Puppenstadium die adulten Mücken. Die Dauer der Entwicklung ist stark temperaturabhängig und reicht von wenigen Tagen bei hohen Temperaturen bis zu mehreren Wochen bei kühlerer Witterung.[4]
Vektorpotenzial
Aedes albopictus ist überwiegend tagaktiv und sticht bevorzugt morgens und abends. Ausschließlich die Weibchen saugen Blut. Ihr Wirtsspektrum ist zooanthropophil, der Mensch wird häufig gestochen.[4] Sie gilt als kompetenter Vektor zahlreicher Arboviren, u.a. für:
- Dengue-Virus
- Chikungunya-Virus
- Zika-Virus
- Gelbfieber-Virus (potenziell)
Darüber hinaus kann sie Fadenwürmer wie Dirofilaria immitis (Hundeherzwurm) übertragen. Eine Vektorkompetenz für das West-Nil-Virus wurde experimentell gezeigt. In Deutschland wird dieses Virus jedoch primär durch einheimische Culex-Arten übertragen.
In Deutschland wurden bislang (2026) keine autochthonen Übertragungen von Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Virus beobachtet, während es in Süd- und Westeuropa (z.B. Italien, Frankreich) bereits saisonale Cluster gab. Studien deuten darauf hin, dass die in Deutschland etablierten Populationen unter hiesigen Temperaturbedingungen vor allem das Chikungunya-Virus effizient übertragen könnten.[2]
Monitoring
Die Überwachung erfolgt in Deutschland über regionale Monitoringprogramme, Eiablagefallen (Ovitraps) und Bürgereinsendungen (u.a. „Mückenatlas"), koordiniert durch die Nationale Expertenkommission am Friedrich-Loeffler-Institut.
Bekämpfungsmaßnahmen
Die Bekämpfung folgt dem Prinzip des integrierten Vektormanagements und kombiniert mehrere Komponenten:[5]
- Beseitigung und Vermeidung von Brutstätten (Quellreduktion)
- Einsatz biologischer Larvizide auf Basis von Bacillus thuringiensis subsp. israelensis (Bti)
- Sterile-Insekten-Technik (SIT): Freisetzung steriler Männchen zur Reduktion der lokalen Population, in Südwestdeutschland erfolgreich erprobt
- Adultizide nur als Ausnahmemaßnahme bei hohem Populationsdruck oder Infektionsgeschehen
Zum individuellen Schutz dienen Repellentien (z.B. DEET, Icaridin), körperbedeckende Kleidung, Fliegengitter und Moskitonetze.[5]
Quellen
- ↑ Ahebwa A et al. Aedes aegypti and Aedes albopictus (Diptera: Culicidae) ecology, biology, behaviour, and implications on arbovirus transmission in Thailand: Review. One Health. 2023;16:100555.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Robert Koch-Institut. Saison 2026 stechmückenübertragener Krankheitserreger in Deutschland beginnt. Epidemiologisches Bulletin. 2026;(25). Stand: 18.06.2026.
- ↑ Friedrich-Loeffler-Institut. Nationale Expertenkommission „Stechmücken als Überträger von Krankheitserregern": Verbreitungskarte Aedes albopictus in Deutschland, Stand 31.12.2025.
- ↑ 4,0 4,1 Doeurk B et al. Review of dengue vectors in Cambodia: distribution, bionomics, vector competence, control and insecticide resistance. Parasit Vectors. 2024;17(1):424.
- ↑ 5,0 5,1 Becker N et al. Integrated control of Aedes albopictus in Southwest Germany supported by the Sterile Insect Technique. Parasit Vectors. 2022;15(1):9.
Literatur
- Becker N et al. Mosquitoes: Identification, Ecology and Control. 3. Aufl. Springer; 2020.
- Meyer CG. Tropenmedizin: Infektionskrankheiten. ecomed Medizin; 2019.
- Vogel PUB, Schaub GA. Neue Infektionskrankheiten in Deutschland und Europa. Springer Fachmedien Wiesbaden; 2021.