AH-Sprung
Synonym: duale AV-Knotenphysiologie, diskontinuierliche AV-Überleitung
Englisch: AH jump, AH-Jump
Definition
Der AH-Sprung bezeichnet einen sprunghaften Anstieg des AH-Intervalls im His-Bündel-Elektrogramm während programmierter atrialer Stimulation. Definitionsgemäß liegt er vor, wenn sich das AH-Intervall um ≥ 50 ms verlängert bei Verkürzung der Kopplungszeit um ≤ 10 ms. Er gilt als Hinweis auf eine duale AV-Knotenphysiologie.
Hintergrund
Die atrioventrikuläre Überleitung erfolgt physiologisch über den AV-Knoten. Bei einem relevanten Anteil der Patienten existiert jedoch eine funktionelle Zweiteilung der AV-Knotenleitung in zwei Bahnen mit unterschiedlichen Leitungseigenschaften:
- Fast pathway: schnelle Leitung, längere Refraktärzeit
- Slow pathway: langsame Leitung, kürzere Refraktärzeit
Diese duale Physiologie ist die Grundlage für Reentry-Mechanismen im AV-Knoten, insbesondere für die AV-Knoten-Reentrytachykardie (AVNRT). Der AH-Sprung ist Ausdruck dieser funktionellen Diskontinuität.
Elektrophysiologie
Bei schrittweiser Verkürzung der atrialen Kopplungszeit erfolgt die Überleitung zunächst über den fast pathway. Erreicht ein Extrastimulus dessen Refraktärzeit, wechselt die Leitung auf den slow pathway, was zu einem abrupt verlängerten AH-Intervall führt. Diese Verzögerung kann die Voraussetzung für eine Reentry-Zirkulation mit retrograder Leitung über den fast pathway schaffen.
Diagnostik
Der Nachweis erfolgt im Rahmen einer elektrophysiologischen Untersuchung durch:
- atriale Stimulation mit Einzel- oder Doppel-Extrastimuli
- kontinuierliche Messung des AH-Intervalls im His-Bündel-Elektrogramm
Typisch ist ein diskontinuierlicher Verlauf der AH-Zeit in Abhängigkeit von der Kopplungszeit. Der „Sprung“ tritt reproduzierbar bei minimaler Verkürzung der Stimulusintervalle auf. Zusätzlich wird die Stabilität der dualen Physiologie unter verschiedenen Stimulationsbedingungen geprüft.
Zu beachten ist, dass autonome Einflüsse und Pharmaka die Nachweisbarkeit beeinflussen können.
Klinische Bedeutung
Der AH-Sprung ist ein wichtiger, aber nicht obligater Marker der dualen AV-Knotenphysiologie.
Klinisch relevant wird er vor allem im Kontext einer induzierbaren AVNRT und entsprechender Symptomatik (z.B. Palpitationen, Tachykardieepisoden). Ein isolierter Befund bleibt in der Regel ohne therapeutische Konsequenz. Bei gesicherter AVNRT bildet er die elektrophysiologische Grundlage für die Katheterablation des slow pathway.
Nicht jeder Patient mit AH-Sprung entwickelt eine AVNRT und umgekehrt.
Literatur
- Bogun et al., Comparison of atrial-His intervals in patients with and without dual atrioventricular nodal physiology and atrioventricular nodal reentrant tachycardia, Am Heart J. 1996 Oct;132(4)
- Blurton et al., Characterizing dual atrioventricular nodal physiology in pediatric patients with atrioventricular nodal reentrant tachycardia, J Cardiovasc Electrophysiol. 2006 Jun;17(6)
- Nakano et al., Shortening of the atrial-His bundle interval during atrial pacing as a predictor of successful ablation for typical atrioventricular nodal re-entrant tachycardia, Europace. 2018 Apr 1;20(4)