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Kuhmilchproteinintoleranz

Synonym: Kuhmilchunverträglichkeit
Englisch: cow's milk protein intolerance (CMPI)

Inhaltsverzeichnis

1 Definition

Die Kuhmilchproteinintoleranz ist eine schleimhautschädigende Erkrankung des Dünndarms mit Unverträglichkeit gegenüber von Bestandteilen der Kuhmilch.

2 Ätiologie

In der Regel erwerben Säuglinge bei Umstellung von Muttermilch auf Kuhmilch durch die Exposition gegenüber der neuen Nahrung eine Immuntoleranz für die Kuhmilch. Erfolgt jedoch in den ersten drei Lebensmonaten eine Schädigung der Darmschleimhaut (z.B. durch Gastroenteritis, Darmoperationen, nekrotisierende Enterokolitis), kommt es zu einem Verlust dieser Immuntoleranz.

Fortan durchdringen die Bestandteile der Kuhmilch die Darmwand und rufen eine lokale Entzündungsreaktion hervor, die zu einer fortschreitenden Zerstörung der Mukosa führt. Es resultiert eine Malabsorption.

3 Symptomatik

Die Symptomatik setzt mit Beginn der Kuhmilchgabe nach Schleimhautschädigung ein. Es kommt zu schleimigen bis blutigen Durchfällen, kolikartigen Schmerzen des Abdomens und Erbrechen.

Wird die Kuhmilchgabe fortgesetzt, kommt es zu einer schweren Malabsorption mit Atrophie/Dystrophie der Mukosa.

Häufig liegt bei Atopikern zeitgleich eine IgE-vermittelte Kuhmilchproteinallergie vor, die durch eine Hautbeteiligung, meist in Form einer Urtikaria, auffällig wird.

4 Diagnostik

Wegweisend für die Diagnosestellung ist die charakteristische Anamnese und das Lebensalter der betroffenen Säuglinge. Als diagnostischer Test wird die Nahrung mit Kuhmilchformel abgesetzt. Kommt es zu einer Besserung des klinischen Bildes, ist eine Kuhmilchproteinintoleranz sehr wahrscheinlich. Kommt es im Gegenzug durch eine Gabe von Kuhmilch innerhalb von 48 Stunden zur typischen Symptomatik, so ist die Kuhmilchproteinintoleranz so gut wie bewiesen.

Zu beachten ist, dass die Provokation mit Gabe von Kuhmilch stets unter stationären Bedingungen erfolgen muss, da es bei begleitender Kuhmilchallergie zur Anaphylaxie mit Lebensgefahr kommen kann.

Bleiben trotz Provokation Unklarheiten bestehen, kann eine Dünndarmbiopsie Klarheit verschaffen. Begleitend zur Intoleranzdiagnostik sollte zwecks Abklärung eine Allergiediagnostik angestrebt werden. Durch Bestimmung spezifischer IgE mittels RAST, kann eine Kuhmilchproteinallergie diagnostiziert werden.

5 Therapie

Die Kuhmilchformel wird für 1-2 Jahre durch kuhmilchfreie, sogenannte Semielementarnahrung ersetzt. Zu achten ist auf Kuhmilchprodukte in der Beikost (Sahne, Butter, "Milchschnitte", Schokoladeprodukte).

Eine Umstellung auf Sojamilch wird generell nicht empfohlen, da bei vorliegender Kuhmilchproteinintoleranz in einem hohen Prozentsatz auch Intoleranzen (Kreuzreaktion) gegenüber Sojaproteinen bestehen.

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