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Kolobom

von griechisch: κολοβωμα ("koloboma") - das Verstümmelte
Englisch: coloboma

1 Definition

Ein Kolobom ist eine angeborene oder erworbene Spaltbildung im Bereich des Auges. Von dieser Spaltbildung können Iris (Regenbogenhaut), Aderhaut (Choroidea), Linse oder das Augenlid betroffen sein.

2 Ätiologie und Pathogenese

Die klassische Form des Koloboms ist eine schlüssellochförmige Spaltbildung der Iris an deren inferonasaler Unterseite.

2.1 angeborenes Kolobom

Beim angeborenen Kolobom schließt sich während der Embryonalentwicklung die Augenbecherspalte nicht vollständig. Die Entwicklung des Auges findet zwischen der 4. und 15. Schwangerschaftswoche statt. Je nach Ausprägung können verschiedene Teile des Auges betroffen sein; ein Kolobom kann an einem (unilateral) oder an beiden Augen (bilateral) auftreten.

Die Ursache eines Koloboms ist oft ungeklärt, jedoch kann unter anderem eine Mutation im Pax-Gen zugrunde liegen. Diskutiert werden autosomal-dominante, autosomal-rezessive und X-chromosomale Erbgänge. Daher kommen Kolobome in einigen Familien gehäuft vor. Meistens jedoch tritt das Kolobom sporadisch auf. Eventuell spielen bestimmte Umweltfaktoren eine Rolle.

In einigen Fällen ist das Kolobom assoziiert mit anderen Erkrankungen und Syndromen, z.B. neurologischen, kraniofazialen oder systemischen Entwicklungsstörungen. Beispiele hierfür sind

Die Inzidenz des angeborenen Koloboms beträgt ca. 0,5-0,7 pro 10.000 Geburten; es ist somit eine relativ seltene Erkrankung.

2.2 erworbenes Kolobom

Erworbene Kolobome entstehen beispielsweise durch Unfälle oder nach Operationen.

3 Formen

  • Lidkolobom: ICD-10: Q10.3
  • Linsenkolobom: ICD-10: Q12.2
  • Iriskolobom: ICD-10: Q13.0
  • Papillenkolobom: ICD-10: Q14.2
  • Kolobom des Augenhintergrunds: ICD-10: Q14.8

4 Symptome

Die Auswirkungen eines Koloboms auf das Sehen sind abhängig von der Größe und Ausprägung des Koloboms. Auch komplett asymptomatische Fälle sind möglich.

Häufig empfinden Patienten mit einer Spaltbildung der Iris grelles Licht als unangenehm, weil die Regulation der einfallenden Lichtmenge durch die Iris gestört ist.

Bei großen Kolobomen, vor allem wenn diese die Retina oder den Sehnerv betreffen, kann es zu Gesichtsfeldausfall (Skotom) und Verschwommensehen kommen; in schweren Fällen kann ein Kolobom zur Blindheit des betroffenen Auges führen.

In einigen Fällen kommt es zu einer Mikrophthalmie, bei der das betroffene Auge kleiner ist als das nicht betroffene.

Weiterhin können Kolobome ursächlich sein für Glaukom, Netzhautablösung, Nystagmus oder Schielen (Strabismus).

5 Therapie

Es existiert keine Therapie gegen das Kolobom; eventuelle Gesichtsfeldausfälle können nicht behandelt oder durch Brillen korrigiert werden.

Allein eine kosmetische Kaschierung des Koloboms durch spezielle Kontaktlinsen ist möglich.

Regelmäßige Routineuntersuchungen der Augen sind zu empfehlen, um mögliche Gefahrenzustände wie z.B. Glaukom rechtzeitig zu erkennen.

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Fachgebiete: Augenheilkunde

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