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Escherichia-coli-Enteritis

Englisch: enteric escherichia coli infection

1 Definition

Die Escherichia-coli-Enteritis ist eine bei Infektion mit verschiedenen enteropathogenen Varianten des Bakteriums Escherichia coli auftretende bakterielle Gastroenteritis.

2 Erreger

Die fünf enteropathogenen Varianten von Escherichia coli sind:

  • EPEC (Enteropathogene E. coli)
  • ETEC (Enterotoxische E. coli)
  • EIEC (Enteroinvasive E. coli)
  • EHEC (Enterohämorrhagische E. coli)
  • EAEC bzw. EAggEC (Enteroaggregative E. coli)

Jede der fünf enteropathogenen Coli-Varianten weist durch unterschiedliche Pathogenitätsfaktoren einen eigenständigen Pathomechanismus auf. Daher sind verschiedene Patientengruppen für eine Infektion mit einer dieser Varianten prädisponiert.

3 Klinik

Im folgenden werden die klinischen Fakten für die einzelnen Formen der Escherichia-coli-Enteritis zusammengefasst dargestellt.

3.1 EPEC (Enteropathogene E. coli)

Eine EPEC-Infektion kommt bei Säuglingen und Kleinkindern vor und führt zu einem Beschwerdebild mit Diarrhö und Dyspepsie. Die Diarrhö ist wässrig. Die Virulenz von EPEC beruht auf Adhärenzfaktoren.

Gelegentlich ist ein epidemisches Auftreten in Kinderkliniken und Kinderheimen möglich. Der Nachweis von EPEC erfolgt durch den Nachweis spezieller Serotypen.

3.2 ETEC (Enterotoxische E. coli )

Eine ETEC-Infektion kommt prinzipiell in allen Altersgruppen vor. In Ländern mit schlechten Hygienebedingungen, insbesondere warmen Ländern, ist ETEC für einen großen Anteil der Reisediarrhöen verantwortlich. Die Virulenz von ETEC wird über Enterotoxine vermittelt.

Sie führen in der Regel zu massiven wässrigen Diarrhöen. Während die Infektion bei immunkompetenten Erwachsenen selbstlimitierend verläuft, sind bei Säuglingen mit einer ETEC-Infektion durch die massive Dehydratation bedrohliche Verläufe üblich. Der Nachweis einer ETEC-Infektion wird über die Identifizierung der Serotypen geführt.

3.3 EIEC (Enteroinvasive E. coli)

EIEC-Infektionen führen durch eine lokale bakterielle Invasion des Darmes zu einer dysenterischen Diarrhö mit blutigen Durchfällen. Alle Altersgruppen können betroffen sein. Das Krankheitsbild entspricht klinisch einer Shigellose bzw. intestinalen Amöbiasis.

Der Nachweis von EIEC erfolgt ebenfalls durch Serotypennachweis.

3.4 EHEC (Enterohämorrhagische E. coli)

Infektionen mit EHEC führen ebenfalls, ähnlich wie EIEC, zu einer blutigen Diarrhö. Zu Erkrankungsbeginn ist die Diarrhö dabei meist noch wässrig. Die Virulenz von EHEC ist durch Adhärenz der Bakterien an der Darmwand und durch die Wirkung von Shiga-like-Toxinen vermittelt. Vor allem das Colon ist im Sinne einer hämorrhagischen Colitis betroffen.

Als wichtigste Komplikation gilt das hämolytisch-urämische Syndrom, welches insbesondere bei Kindern in einen lebensbedrohlichen Verlauf münden kann. Während die meisten anderen enteropathogenen Coli-Varianten den Menschen als einziges Erregerreservoir haben, sind EHEC unter Nutztieren wie Schafen, Ziegen und Kühen weit verbreitet. Eine Infektion erfolgt daher bei Verzehr von ungenügend behandelten ("Abkochen und Durchbraten") und unhygienisch zubereiteten tierischen Lebensmitteln dieser Art.

Preventing the spread of E Coli O:157

Der Nachweis der EHEC-Infektion erfolgt durch Serotypisierung. Zusätzlich kann das Shiga-like-Toxin nachgewiesen werden. Der häufigste Serotyp ist O:157:H7.

3.5 EAEC oder EAggEC (Enteroaggregative E. coli)

Infektionen mit EAEC sind verhältnismäßig schlecht untersucht. EAEC verursacht bei Kindern persistierende Diarrhoe und ist ein Erreger der Reisediarrhoe in Nordafrika und Mittelamerika.

4 Therapie

Die Behandlung der meisten Formen der Escherichia-coli-Enteritis ist symptomatisch und supportiv. Da die Erkrankungen meistens selbstlimitierend verlaufen reichen eine orale Rehydratation bzw. bei Bedarf eine parenterale Rehydratation mit Elektrolytersatz aus.

Die Anwendung von motilitätshemmenden Mitteln wie Loperamid ist in der Regel nicht indiziert. Sie verlängert die Ausscheidungsdauer der Bakterien und kann insbesondere bei invasiven und adhärenden Coli-Varianten zu einer Durchwanderung des Darms führen.

Die Gabe eines Antibiotikums (z.B. Doxycyclin) bei Reisediarrhöen ist umstritten und verkürzt die Krankheitsdauer nur unwesentlich. Bei einer EHEC-Infektion ist die Gabe eines Antibiotikums kontraindiziert, da der Krankheitsverlauf nicht günstig beeinflusst wird und die Ausbildung eines HUS begünstigt wird.

Je nach klinischem Bild sollte bei Nachweis von E.coli aus Stuhlproben nach Ausschluss anderer häufiger Erreger eine gezielte Suche bestimmter Serotypen erfolgen. Eine nachgewiesene EHEC-Infektion sollte Anlass zur engmaschigen Kontrolle der Retentionswerte sein, um ein HUS möglichst frühzeitig erkennen und anbehandeln zu können.

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