Verkehrspsychologie
Definition
Die Verkehrspsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, welches das Erleben und Verhalten von Menschen im Straßenverkehr untersucht. Sie analysiert psychische Voraussetzungen, Prozesse und Auswirkungen der Verkehrsteilnahme über alle Altersgruppen und Verkehrsarten hinweg.
Hintergrund
Die Verkehrspsychologie entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert mit zunehmender Motorisierung. In Deutschland ist sie eng mit der Fahreignungsbegutachtung und der Verkehrssicherheitsforschung verbunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sie sich insbesondere im Rahmen der systematischen Fahreignungsdiagnostik und durch spezialisierte Begutachtungsstellen und Forschungsinstitute.
Untersucht werden u.a. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Reaktionszeit, Entscheidungsprozesse und Emotionsregulation im Verkehr. Berücksichtigt werden Einflüsse von Alter, Ermüdung, psychischen Störungen und psychoaktiven Substanzen. Weitere Schwerpunkte sind Regelbefolgung und Risikowahrnehmung.
Aufgaben
Zentrale Aufgaben sind die Beurteilung der Fahreignung, die Mitwirkung an Begutachtungsverfahren (z. B. MPU), die Analyse von Unfallursachen und die Evaluation verkehrsbezogener Maßnahmen. Hinzu kommen Beratung, Intervention und Prävention bei auffälligem Verkehrsverhalten.
Diagnostik
Die verkehrspsychologische Diagnostik umfasst Leistungs-, Persönlichkeits- und Verhaltensdiagnostik. Eingesetzt werden standardisierte, häufig computergestützte, psychometrische Testverfahren. Ergänzend erfolgen strukturierte Explorationen und Verhaltensbeobachtungen. Die Diagnostik findet häufig im Rahmen der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung statt.
Anwendungsbereiche
Anwendungsbereiche bestehen in Begutachtungsstellen, Forschungseinrichtungen und Behörden. Ein weiterer Bereich ist die Rehabilitation nach neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen, insbesondere im Kontext fahrerassistierter und automatisierter Fahrzeugsysteme.
Abgrenzung
Die Verkehrspsychologie ist von der Verkehrsmedizin (körperliche und neurologische Fahreignung), der Verkehrsplanung (infrastrukturelle Aspekte) und der Rechtspsychologie (rechtliche Entscheidungsprozesse) abzugrenzen.
Weiterbildung
Die Weiterbildung zum Verkehrspsychologen erfolgt postgradual und setzt ein abgeschlossenes Psychologiestudium voraus. Inhalte und Anerkennung richten sich nach curricularen und berufsrechtlichen Vorgaben, z. B. der psychologischen Fachverbände.
Literatur
- Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs): Fachgruppe Verkehrspsychologie, abgerufen am 27.01.2026
- Bund Deutscher Psychologen (BDP): Sektion Verkehrspsychologie, abgerufen am 27.01.2026