Vena pulmonalis
Synonyme: Lungenvene, Pulmonalvene
Englisch: pulmonary vein
Definition
Die Venae pulmonales oder Lungenvenen sind die Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut aus der Lunge zum linken Vorhof des Herzens transportieren.
Anatomie
Die Lungenvenen beginnen im Kapillarnetz um die Lungenalveolen und formieren sich im Lungengewebe zu größeren Gefäßen, bis sie schließlich ein Hauptgefäß für jeden Lungenlappen bilden – drei für die rechte und zwei für die linke Lunge. Im Gegensatz zu anderen Körpervenen besitzen sie keine Venenklappen.
Die Hauptgefäße des mittleren und oberen Lappens der rechten Lunge vereinigen sich in der Regel bereits intrapulmonal zu einer Vene. Daher entsendet jeder Lungenflügel zwei Hauptstämme, die das Perikard durchstoßen und in den oberen und hinteren Teil des linken Vorhofs münden. Manchmal münden die drei Venen der rechten Seite auch separat in den linken Vorhof.
Einteilung
Venae pulmonales dextrae
Die rechten Lungenvenen drainieren den rechten Lungenflügel:
- Die Vena pulmonalis dextra superior drainiert das Blut des apikalen (S1), posterioren (S2) und anterioren Oberlappensegments (S3) sowie des Mittellappens (S4 und S5).
- Die Vena pulmonalis dextra inferior weist zwei Hauptzuflüsse auf: Der kraniale Ast drainiert die Unterlappenspitze, der kaudale Ast wird durch den Zusammenfluss von Vena basalis superior (aus S8 und S9) und Vena basalis inferior (aus S7, S9 und S10) gebildet.
Venae pulmonales sinistrae
Die linken Lungenvenen drainieren den linken Lungenflügel:
- Die Vena pulmonalis sinistra superior drainiert das apikoposteriore (S1+2) und das anteriore Oberlappensegment (S3) sowie die Lingula (S4 und S5).
- Die Vena pulmonalis sinistra inferior führt in einem oberen Ast Blut aus der Unterlappenspitze (S6) und mit der Vena basalis communis Blut aus der Unterlappenbasis (S8 bis S10).
Physiologie
Die Venae pulmonales sind Bestandteil des Lungenkreislaufs und transportieren sauerstoffreiches Blut aus den pulmonalen Kapillaren in den linken Vorhof des Herzens. Sie stellen damit die Verbindung zwischen pulmonalem Gasaustausch und systemischem Kreislauf her.
Im Gegensatz zu anderen Venen führen sie oxygeniertes Blut, da sie das Blut nach der Oxygenierung in den Lungenalveolen ableiten. Der Blutfluss erfolgt weitgehend druckpassiv entlang eines geringen Druckgradienten zwischen pulmonalem Gefäßbett und linkem Vorhof.
Klinik
Die pulmonalvenöse Drainage beeinflusst maßgeblich die Vorlast des linken Herzens. Veränderungen des pulmonalvenösen Abflusses, z.B. bei erhöhter Druckbelastung im linken Vorhof, können zu einer Rückstauung in den Lungenkreislauf und zur Entwicklung eines Lungenödems führen.
Die Pulmonalvenen spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Vorhofflimmern, da sie häufig Ausgangspunkt ektoper elektrischer Erregungen sind. Ursächlich sind Myokardmanschetten, die sich vom linken Vorhof in die proximalen Abschnitte der Pulmonalvenen erstrecken.