Strahlenrisiko
Englisch: radiation risk
Definition
Das Strahlenrisiko bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, dass durch eine Strahlenexposition gesundheitliche Schäden infolge ionisierender Strahlung auftreten. Im Strahlenschutz wird darunter vor allem das Risiko für stochastische Strahlenschäden verstanden, insbesondere für strahleninduzierte Malignome und genetische Schäden.
Hintergrund
Ionisierende Strahlung kann durch Ionisation und Bildung freier Radikale Schäden an biologischen Molekülen verursachen, insbesondere an der DNA. Wenn solche Schäden nicht vollständig repariert werden, können sie zu dauerhaften genetischen Veränderungen führen. Diese Veränderungen können langfristig zur Entstehung von Tumoren beitragen.
Dosis-Risiko-Beziehung
Im Strahlenschutz wird das Risiko für stochastische Strahlenschäden häufig anhand der effektiven Dosis abgeschätzt. Für niedrige und mittlere Dosen wird meist ein lineares Dosis-Wirkungs-Modell ohne Schwellenwert angenommen (LNT-Modell, linear no-threshold). Danach steigt das Risiko für strahleninduzierte Krebsentstehung proportional mit der Strahlendosis.
Das individuelle Risiko hängt unter anderem ab von:
- Höhe der Strahlendosis
- bestrahltem Organ oder Gewebe
- Alter zum Zeitpunkt der Exposition
- Geschlecht
- genetischer Disposition
Bevölkerungsrisiko
Das strahlenbedingte Krebsrisiko wird häufig als Risikokoeffizient pro effektiver Dosis angegeben. Nach Empfehlungen der International Commission on Radiological Protection (ICRP) beträgt das durchschnittliche Risiko für tödliche strahleninduzierte Krebserkrankungen in der Allgemeinbevölkerung etwa 5 % pro Sievert (Sv). Das bedeutet, dass eine zusätzliche effektive Dosis von 1 Sv statistisch das Krebsrisiko um etwa 5 % erhöht.
Medizinische Relevanz
Die Bewertung des Strahlenrisikos ist eine zentrale Grundlage des Strahlenschutzes. Daraus ergeben sich grundlegende Schutzprinzipien wie:
- Rechtfertigende Indikation
- ALARA-Prinzip
- Festlegung von Dosisgrenzwerten
Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die Strahlenexposition möglichst gering gehalten wird, ohne den medizinischen Nutzen diagnostischer oder therapeutischer Anwendungen zu beeinträchtigen.
In der Radiologie wird das Strahlenrisiko gegen den diagnostischen Nutzen einer Untersuchung abgewogen. Moderne bildgebende Verfahren zielen daher darauf ab, die diagnostische Bildqualität bei möglichst geringer Strahlenexposition zu erreichen. Typische effektive Dosen diagnostischer Untersuchungen liegen meist deutlich unterhalb von Dosen, bei denen deterministische Strahlenschäden auftreten können. Das relevante Risiko betrifft daher vor allem mögliche langfristige stochastische Effekte.