Skala zur Erfassung von Autismus-Spektrum-Störungen bei Minderbegabten
Definition
Die Skala zur Erfassung von Autismus-Spektrum-Störungen bei Minderbegabten, kurz SEAS-M, ist ein Screeninginstrument zur Erfassung autismusrelevanter Verhaltensauffälligkeiten bei Personen mit Intelligenzminderung. Sie wird eingesetzt, wenn klassische ASD-Diagnostikverfahren aufgrund eingeschränkter kognitiver und sprachlicher Fähigkeiten nur bedingt anwendbar sind.
Aufbau
Die Skala besteht aus mehreren Items, die zentrale Merkmalsbereiche der Autismus-Spektrum-Störung abbilden. Erfasst werden Auffälligkeiten der sozialen Interaktion und Kommunikation, stereotype und repetitive Verhaltensmuster sowie Besonderheiten der sensorischen Verarbeitung. Die Items beziehen sich auf konkret beschreibbare Alltagsverhaltensweisen, etwa Blickkontakt, soziale Gegenseitigkeit oder Reaktionen auf Veränderungen, und sind sprachlich an Personen mit leichter bis mittelgradiger Intelligenzminderung angepasst.
Durchführung
Die Erhebung erfolgt vor allem in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Psychiatrie sowie in sozialpädiatrischen Zentren eingesetzt. Darüber hinaus kommt die SEAS-M auch in spezialisierten Ambulanzen, interdisziplinären Diagnoseteams und Einrichtungen der Behindertenhilfe zum Einsatz.
Eltern oder Betreuungspersonen können in die Erhebung einbezogen werden, sofern sie das Verhalten über einen längeren Zeitraum zuverlässig beurteilen können. Eine direkte Befragung der betroffenen Person ist nicht vorgesehen.
Auswertung
Die Itemantworten werden gemäß Manual numerisch kodiert und zusammengerechnet. Der Wert wird mit empirisch festgelegten Cut-off-Werten verglichen, die eine Einordnung in unauffällige, grenzwertige oder autismusverdächtige Ausprägungen erlauben.
Erhöhte Summenwerte weisen auf eine höhere Wahrscheinlichkeit autismusrelevanter Verhaltensmuster hin. Die Ergebnisse sind stets im Kontext einer umfassenden klinischen Diagnostik zu interpretieren und mit Anamnese und Verhaltensbeobachtung abzugleichen.
Limitationen
Für die Zielpopulation werden eine ausreichende Reliabilität sowie Hinweise auf Validität berichtet. Mit zunehmendem Schweregrad der Intelligenzminderung nimmt die diagnostische Trennschärfe ab. Die Aussagekraft ist dann stark von der Beobachtungsqualität abhängig.
Literatur
- Kraijer DW, Melchers P. Skala zur Erfassung von Autismus-Spektrum-Störungen bei Minderbegabten (SEAS-M). Testmanual. Frankfurt am Main: Testzentrale; 2003.