Rescue-Allokation
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LoslegenSynonym: Rescue Allokation
Englisch: rescue allocation, rescue organ offer
Definition
Die Rescue-Allocation ist ein beschleunigtes Verfahren der Organvermittlung. Es wird eingesetzt, wenn bei einem Spenderorgan im regulären Allokationsverfahren ein Organverlust droht. Das Organ wird kurzfristig mehreren Transplantationszentren angeboten, die geeignete Empfänger aus ihrer Warteliste benennen.
Ziel ist es, den Verlust eines grundsätzlich transplantierbaren Organs zu verhindern und die Ischämiezeit möglichst kurz zu halten.[1]
Ablauf
Auslöser
In Deutschland entscheidet die Vermittlungsstelle (Eurotransplant) auf Grundlage aller vorliegenden Informationen über die Einleitung des beschleunigten Vermittlungsverfahrens. Es wird insbesondere durchgeführt, wenn ein Organverlust droht durch:[1]
- eine Kreislaufinstabilität des Spenders
- logistische oder organisatorische Gründe
- spender- oder organbedingte Gründe
Darüber hinaus wird ein Organ in die Rescue-Allocation überführt, wenn es im regulären Verfahren wiederholt abgelehnt wurde. Bei der Lebertransplantation galt dies beispielsweise nach Ablehnung durch mindestens drei Zentren.[2]
Verfahren
Im Eurotransplant-Raum werden zwei Modi der Rescue-Allocation unterschieden, die in den Mitgliedsländern unterschiedlich häufig eingesetzt werden.[3] Die deutsche Richtlinie sieht ein abgestuftes Vorgehen vor, das diesen beiden Modi weitgehend entspricht:[1]
| Modus | Angebot an | Auswahl des Empfängers |
|---|---|---|
| Recipient oriented Extended Allocation (REAL) | alle Zentren der Region, in der sich das Organ befindet, sowie nahegelegene Zentren | Jedes Zentrum meldet bis zu zwei geeignete Empfänger. Die Vermittlungsstelle vergibt das Organ innerhalb dieser Gruppe nach den regulären Verteilungsregeln. |
| Competitive Rescue Allocation (CRA) | weitere Zentren, falls die erste Stufe erfolglos bleibt | Das Organ erhält der Patient, dessen Zentrum die Akzeptanz als erstes erklärt hat. |
Für jedes Nierenangebot gilt eine Erklärungsfrist von maximal 60 Minuten, für andere Organe von maximal 30 Minuten. Gelingt die Vermittlung im Zuständigkeitsbereich der Vermittlungsstelle nicht, kann das Organ anderen Organaustauschorganisationen angeboten werden. Die Zentren müssen die Gründe für ihre Auswahlentscheidung dokumentieren.[1]
Die konkreten Voraussetzungen richten sich nach den organ- und länderspezifischen Allokationsregeln.[4] Bei der Nierentransplantation dürfen beispielsweise hochimmunisierte Patienten im Acceptable-Mismatch-Programm nicht im beschleunigten Verfahren transplantiert werden.[1]
Abzugrenzen ist das modifizierte Vermittlungsverfahren. Hier werden eingeschränkt vermittelbare Organe nur den Zentren und Patienten angeboten, für die sie nach Zentrums- und Patientenprofil in Betracht kommen. Im Übrigen gelten die regulären Allokationsregeln.[1]
Klinische Bedeutung
Rescue-Allocation ermöglicht die Nutzung von Organen, die andernfalls verworfen würden. Betroffen sind häufig Organe von älteren Spendern, mit erweiterten Spenderkriterien oder mit bereits verlängerter kalter Ischämiezeit.
Nierentransplantation
Eine Analyse aller Eurotransplant-Länder (2014–2021) ergab folgende Unterschiede zwischen den Modi:[3]
- Rund 11 % der postmortalen Nierentransplantationen erfolgten nach Rescue-Allocation.
- Bei CRA waren die Spender älter, die Ischämiezeiten länger und die HLA-Übereinstimmung schlechter als bei REAL und Standardallokation.
- Transplantat- und Patientenüberleben waren nach REAL mit der Standardallokation vergleichbar. CRA war mit einem kürzeren Transplantatüberleben assoziiert.
- Auf Deutschland entfielen etwa drei Viertel dieser Transplantationen. CRA verkürzte die Wartezeit dort um bis zu 2,9 Jahre.
Lebertransplantation
Im Eurotransplant Donor Risk Index (ET-DRI), der auf dem Donor Risk Index nach Feng aufbaut, geht die Rescue-Allocation als eigener Risikofaktor für das Transplantatversagen nach Lebertransplantation ein.[5][6] In Single-Center-Analysen erzielten Lebern aus der Rescue-Allocation dennoch vergleichbare Ergebnisse wie regulär vermittelte Organe.[7]
Die Durchführung einer Rescue-Allocation bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass das betreffende Organ eine unzureichende Qualität besitzt. Auch eine Kreislaufinstabilität des Spenders oder logistische Faktoren können ausschlaggebend sein.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Bundesärztekammer. Richtlinie gem. § 16 Abs. 1 S. 1 Nrn. 2 u. 5 TPG für die Wartelistenführung und die Organvermittlung zur Nierentransplantation. Dtsch Arztebl. 2026;123. doi:10.3238/arztebl.2026.RiliOrgaWlOvNiereTx20260713. In Kraft seit 13.07.2026, abgerufen am 14.10.2026.
- ↑ Schemmer P, Nickkholgh A, Gerling T, Weitz J, Büchler MW, Schmidt J. Rescue allocation for liver transplantation within Eurotransplant: the Heidelberg experience. Clin Transplant. 2009;23 Suppl 21:42-8.
- ↑ 3,0 3,1 Assfalg V, Miller G, Stocker F et al. Rescue Allocation Modes in Eurotransplant Kidney Transplantation: Recipient Oriented Extended Allocation Versus Competitive Rescue Allocation – A Retrospective Multicenter Outcome Analysis. Transplantation. 2024;108(5):1200-1211.
- ↑ Eurotransplant. Eurotransplant Manual. Abgerufen am 14.10.2026.
- ↑ Feng S, Goodrich NP, Bragg-Gresham JL et al. Characteristics associated with liver graft failure: the concept of a donor risk index. Am J Transplant. 2006;6(4):783-90.
- ↑ Braat AE, Blok JJ, Putter H et al. The Eurotransplant donor risk index in liver transplantation: ET-DRI. Am J Transplant. 2012;12(10):2789-96.
- ↑ Doenecke A, Scherer MN, Tsui TY, Schnitzbauer AA, Schlitt HJ, Obed A. "Rescue allocation offers" in liver transplantation: is there any reason to reject "unwanted" organs? Scand J Gastroenterol. 2010;45(12):1516-7.