Psychomotorik
Englisch: psychomotor domain
Definition
Die Psychomotorik beschreibt die wechselseitige Beeinflussung von psychischen Prozessen (z.B. Kognition, Emotion, Motivation) und motorischem Verhalten. Sie umfasst sowohl die Auswirkungen psychischer Zustände auf die Motorik als auch den Einfluss von Bewegung auf psychische Funktionen.
Hintergrund
Die ersten Ansätze wurden in den 1920er-Jahren, u.a. durch Ernst J. Kiphard, im Rahmen des heilpädagogischen Turnens konzipiert. Das Konzept basiert auf der Annahme, dass es eine wechselseitige Beziehung zwischen motorischen und psychischen Prozessen gibt, weshalb durch Bewegung motorische, emotionale, kognitive und soziale Funktionen integrativ gefördert werden sollen, um die Interaktion mit der Umwelt zu stärken.
Psychomotorische Ansätze werden sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen angewendet.
Klinik
Psychomotorische Störungen treten bei vielen psychiatrischen Erkrankungen (z.B. Schizophrenie, Depressionen, ADHS) auf. Zu ihnen zählen sowohl hypo- als auch hyperkinetische Symptome. Beispiele sind:
- Hypokinetische Symptome: Bradykinesie, Katalepsie, Stupor, Mutismus
- Hyperkinetische Symptome: Unruhe (Nesteln, Zappeln), Akathisie, Manierismen, Grimassieren, Raptus, Echolalie, Echopraxie, Tics, Parakinesen
Eine Sonderform ist die Katatonie, die durch einen abrupten Wechsel hypo- und hyperkinetischer Zustände gekennzeichnet ist.