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Psychogener Schmerz

Synonyme: Psychogenes Schmerzsyndrom

1 Definition

Bei einem psychogenen Schmerz handelt es sich um ein Schmerzsyndrom, für das sich keine organischen Ursachen finden lassen und das daher wahrscheinlich überwiegend auf psychischen Vorgängen basiert.

2 Hintergrund

Schmerz wird durch ein komplexes Zusammenspiel von biologischen, seelischen und sozialen Faktoren bestimmt (biopsychosoziales Schmerzmodell). Eine strikte Einteilung in reinen "körperlichen" bzw. "psychisch/seelischen" Schmerz gilt heute (2020) als obsolet.

Beim psychogenen Schmerz lassen sich jedoch per definitionem keine objektivierbaren organischen Ursachen finden. Im Vordergrund der Schmerzursache stehen oftmals psychische Konflikte, die individuell nicht bewältigt werden können. Negative Affekte wie Alltagsstress, Ängste und Depressionen können Auslöser dafür sein. Erlangt der Betroffene in Folge der Schmerzäußerung einen sekundären Krankheitsgewinn, also durch vermehrt erlangte Aufmerksamkeit und Zuwendung, kann dies die chronische Schmerzwahrnehmung verstärken.

3 Pathophysiologie

Sowohl emotionale als auch kognitive Einflussfaktoren wirken modulierend auf das Schmerzempfinden. Wenn psychosoziale Belastungsfaktoren, die individuell nicht bewältigbar sind, über einen längeren Zeitraum persistieren, kommt es zu anhaltendem Disstress auf den Körper. Es folgt eine Senkung der Schmerzschwelle und eine verstärkte Schmerzwahrnehmung. In diesem Prozess der Schmerzverarbeitung spielt v.a. die Aktivierung von Amygdala, Hippocampus und vorderem Gyrus cinguli eine entscheidende Rolle.

4 Symptome

Meistens ist dem Betroffenen der Zusammenhang zwischen seelischer Belastung und zugrundeliegender Schmerzsymptomatik kaum bewusst. Der Schmerzcharakter kann vom Patienten oft gar nicht beschrieben werden. Der Schmerz ändert sich außerdem weder bei Belastung noch im Entspannungszustand.

5 Diagnose

Im Rahmen der Anamnese werden die Dauer, Häufigkeit, Art, Lokalisation und Stärke des Schmerzes abgeklärt. Mit Hilfe von Schmerzskalen kann der Patient die Schmerzintensität grob einstufen, was für die entsprechende Therapie relevant ist. Organische Ursachen müssen für die Diagnose eines psychogenen Schmerzsyndroms ausgeschlossen werden.

6 Therapie

Da das psychogene Schmerzsyndrom oftmals nicht auf Analgetika anspricht, ist eine rein medikamentöse Schmerztherapie wenig sinnvoll. Stattdessen sollte die Therapie auf einem multimodalen Konzept beruhen. Dabei können u.a. durch psychotherapeutische Gespräche mögliche Auslöser für zugrundeliegende psychische Konflikte ergründet und evaluiert werden. Weiterhin kann soziale Unterstützung den Verlauf positiv beeinflussen.

Diese Seite wurde zuletzt am 7. Oktober 2020 um 16:01 Uhr bearbeitet.

Vielen Dank für dein Kommentar! Tatsächlich handelt es sich, wie du sagst, bei der Entstehung von chronischem Schmerz nach heutigem Erkenntnisstand um ein Zusammenspiel biologischer, seelischer und sozialer Faktoren. In diesem Artikel sollte vordergründig der psychische Teil der Schmerzentstehung durch emotionale und kognitive Einflussfaktoren hervorgehoben werden. Ich werde allerdings ergänzen, dass der Schmerz nicht einzig auf diese Ursache zu reduzieren ist, ein subjektives Empfinden beschreibt, und als multimodales Konzept angesehen werden sollte! Beste Grüße, Anna
#2 am 23.09.2020 von Anna Albert (Arzt | Ärztin)
Die distinkte Einteilung psycho- vs somatogener Schmerz ist nach aktuellem Kenntnisstand veraltet. In der Kommunikation mit Patient*innen ist sie nicht zweckmässig. Neurowissenschaftliche und psychophysiologische Studien legen ein bio-psycho-soziales Modell der Schmerzentstehung und -aufrechterhaltung bei chronischen Schmerzen nahe. Es kann davon ausgegangen werden, dass jedes Schmerzempfinden ein somatisches Korrelat hat, sonst würde nicht der Körper schmerzen. Die Korrelation von Bildgebung/Labor und Schmerzempfinden ist deutlich niedriger, als man vermutet; Schmerzempfinden und der daraus entstehende Leidensdruck kann man mit den aktuellen State-of-the Art Assessments nicht objektivieren. Aktuelle Forschungsarbeiten (e.g. Bushnell et al., Egle et al.) stellen bei chronischem Wide spread pain mögliche Zusammenhänge mit stress- und traumabedingten HHNA-Dysregulationen und Dysregulationen im endogenen Opiatsystem (Top down Regulation) vor.
#1 am 10.09.2020 von Ben Brönnimann (Weitere medizinische Berufe)

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