Pseudoprogression
Synonym: Pseudoprogress
Englisch: pseudoprogression
Definition
Die Pseudoprogression beschreibt eine scheinbare Zunahme von Tumorgröße oder Kontrastmittelaufnahme in der Bildgebung. Sie wird durch therapiebedingte Effekte (z.B. Entzündung, Ödem, Immunzellinfiltration, Nekrose) verursacht, und bildet sich spontan zurück oder stabilisiert sich, ohne dass die Therapie gewechselt wird.
Hintergrund
Ursächlich sind vor allem entzündliche Reaktionen, ein vermehrtes Ödem, eine erhöhte Gefäßpermeabilität, Nekrosen oder eine Infiltration durch Immunzellen infolge der Behandlung. Diese Veränderungen treten typischerweise nach einer Radiochemotherapie oder Immuntherapie auf und spiegeln eine biologische Reaktion des Gewebes wider, nicht aber ein Versagen der Therapie.
Klinisch relevant ist Pseudoprogression vor allem in der Neuroonkologie, insbesondere nach Radiochemotherapie hochgradiger Gliome, sie kann jedoch auch unter modernen Immuntherapien bei anderen Tumorentitäten beobachtet werden.
Von einer echten Tumorprogression unterscheidet sich die Pseudoprogression dadurch, dass kein anhaltendes Tumorwachstum vorliegt und häufig auch keine parallele klinische Verschlechterung zu beobachten ist. Die Abgrenzung ist diagnostisch anspruchsvoll und erfordert meist Verlaufskontrollen sowie gegebenenfalls ergänzende bildgebende Verfahren wie Perfusions-MRT, Diffusionsbildgebung oder MR-Spektroskopie.
Die korrekte Einordnung einer Pseudoprogression ist von großer therapeutischer Bedeutung, da eine Fehlinterpretation zu einem unnötigen Abbruch oder Wechsel einer wirksamen Therapie führen kann.
Häufigkeit
Im Vergleich zu einem tatsächlichen Tumorprogress ist die Wahrscheinlichkeit eines vorübergehenden Pseudoprogresses deutlich geringer. Die aktuelle Studienlage zeigt, dass die Häufigkeit einer Pseudoprogression stark variiert und offenbar vom eingesetzten Immuntherapeutikum, der Kombination verschiedener Wirkstoffe sowie von der Tumorart abhängt.
Literatur
- Waldman, A.D., Fritz, J.M. & Lenardo, M.J. A guide to cancer immunotherapy: from T cell basic science to clinical practice. Nat Rev Immunol 20, 651–668 (2020).
- Lennartz, S., Diederich, S., Doehn, C., Gebauer, B., Grünwald, V., Notohamiprodjo, M., Sommer, W., Schlemmer, H. & Persigehl, T. (2020). Radiological Monitoring of Modern Immunotherapy: A Novel Challenge for Interdisciplinary Patient Care. RöFo - Fortschritte auf dem Gebiet der Röntgenstrahlen und der bildgebenden Verfahren, 192(03), 235–245.