Präzisionsonkologie
Definition
Die Präzisionsonkologie beschäftigt sich mit Tumortherapien auf der Basis der individuellen molekularbiologischen Eigenschaften eines malignen Tumors.
Hintergrund
Tumoren können sich bei gleicher oder ähnlicher histologischer Morphologie erheblich auf molekularer Ebene unterscheiden. Die genetischen und epigenetischen Eigenschaften der Tumorzellen bestimmen wichtige Tumormerkmale wie Proliferationsrate, Invasivität oder Metastasierungspotential. Darüber hinaus determinieren sie die Empfindlichkeit des Tumors gegenüber antineoplastischen Therapien.
Die Veränderungen des Tumorgenoms und die Identifikation von Treibermutationen sind der Forschungsgegenstand der molekularen Onkologie. Die Präzisionsonkologie nutzt die Erkenntnisse der molekularen Onkologie und leitet daraus zielgerichtete Therapiestrategien ab. Sie sollen eine effiziente, aber gleichzeitig nebenwirkungsarme Behandlung maligner Tumorerkrankungen ermöglichen.
Therapiestrategie
Im Gegensatz zur klassischen Chemotherapie, die unspezifisch auf alle proliferierenden Zellen wirkt, basiert die Präzisionsonkologie auf individuellen molekularen Tumoreigenschaften. Diagnostisch wird im entnommenen Tumorgewebe gezielt nach molekularen Markern und Mutationen gesucht. Gelingt der Nachweis bestimmter Marker, z.B. einer BRAF-V600-Mutation, werden Arzneistoffe eingesetzt, welche die Folgen dieser Mutation gezielt eindämmen. Im Falle einer BRAF-V600-Mutation werden beispielsweise BRAF-Inhibitoren wie Vemurafenib oder Dabrafenib in den Therapieplan aufgenommen.