Paracoccidioides brasiliensis
Definition
Paracoccidioides brasiliensis ist ein dimorpher Pilz. Er ist der Erreger der Parakokzidioidomykose (Südamerikanische Blastomykose), einer systemischen Mykose mit vorwiegend pulmonaler Manifestation und möglicher hämatogener Dissemination. Der Erreger ist in Lateinamerika endemisch.
Systematik
- Reich: Fungi
- Abteilung: Ascomycota
- Klasse: Eurotiomycetes
- Ordnung: Onygenales
- Familie: Ajellomycetaceae
- Gattung: Paracoccidioides
- Familie: Ajellomycetaceae
- Ordnung: Onygenales
- Klasse: Eurotiomycetes
- Abteilung: Ascomycota
Molekulargenetische Analysen haben gezeigt, dass es sich bei P. brasiliensis um einen Artenkomplex handelt. Neben Paracoccidioides brasiliensis sensu stricto wurde u.a. Paracoccidioides lutzii als eigenständige Spezies abgegrenzt. Beide können klinisch eine Parakokzidioidomykose verursachen.
Morphologie
Paracoccidioides brasiliensis ist ein thermisch dimorpher Pilz. Bei 25 °C (Umweltform) wächst er als filamentöser Schimmelpilz mit septierten Hyphen und bildet infektiöse Konidien. Nach Inhalation kommt es bei 37 °C im Wirtsorganismus zur Umwandlung in die Hefeform. Charakteristisch sind große, dickwandige Hefepilzzellen mit multiplen Sprossungen, die radiär angeordnet sind und mikroskopisch ein sogenanntes „Steuerrad-“ oder „Mickey-Mouse-Phänomen“ zeigen. Dieses morphologische Bild gilt als diagnostisch wegweisend.
Epidemiologie
Die Parakokzidioidomykose ist auf Mittel- und Südamerika beschränkt, mit höchster Prävalenz in Brasilien, Kolumbien, Venezuela und Argentinien. Das natürliche Reservoir sind Böden in ländlichen, landwirtschaftlich genutzten Regionen. Betroffen sind vor allem männliche Erwachsene im arbeitsfähigen Alter. Das deutliche Überwiegen bei Männern wird u.a. durch auf einen protektiven Effekt von Östrogenen zurückgeführt, welche die Umwandlung in die pathogene Hefeform hemmen.
Pathogenese
Nach Inhalation der Konidien in die Lunge erfolgt die Transformation in die Hefeform. Es entsteht zunächst eine pulmonale Primärinfektion, die häufig subklinisch verläuft. Bei inadäquater zellulärer Immunantwort kann es zur chronischen pulmonalen Erkrankung oder zur hämatogenen und lymphogenen Dissemination kommen. Betroffen sind insbesondere Schleimhäute des Oropharynx, Lymphknoten, Haut, Nebennieren sowie seltener das Zentralnervensystem und andere Organe. Histopathologisch finden sich granulomatöse Entzündungsreaktionen mit Riesenzellen.