Pacing-Zykluslänge
Synonym: Stimulus-Zykluslänge
Englisch: pacing cycle length
Definition
Hintergrund
Die Pacing-Zykluslänge ist ein Steuerparameter in der Elektrophysiologie. Sie bestimmt die Frequenz der myokardialen Erregung während programmierter Stimulation oder Overdrive-Pacing.
Bei Tachykardien wird die Pacing-Zykluslänge relativ zur Tachykardie-Zykluslänge (TCL) gewählt. Eine kürzere Zykluslänge (PCL < TCL) ermöglicht die Übernahme eines Reentry-Kreislaufs im Sinne eines Entrainments. Eine deutlich kürzere Zykluslänge kann zur Terminierung der Tachykardie oder zur Induktion anderer Arrhythmien führen.
Die Wahl der Zykluslänge beeinflusst die Erregungsausbreitung, die Refraktärverhältnisse sowie die Interpretation elektrophysiologischer Manöver.
Messung
Die Pacing-Zykluslänge wird durch das Stimulationsprotokoll des elektrophysiologischen Systems vorgegeben. Die Abgabe der Stimuli erfolgt über intrakardiale Elektrodenkatheter.
Die Einstellung erfolgt in definierten Intervallen, häufig in Stufen von 10 bis 200 ms. Die resultierende Erregung ist abhängig von Capture-Schwelle, Katheterkontakt und lokaler Myokardbeschaffenheit.
Neben der Zykluslänge werden Stimulationsparameter wie Amplitude und Pulsdauer festgelegt. Die Umrechnung in eine Frequenz erfolgt nach der Formel:
Anwendungsbereiche
Die Pacing-Zykluslänge wird eingesetzt bei:
- programmierter atrialer und ventrikulärer Stimulation
- Induktion und Terminierung von Tachykardien
- Entrainment-Manövern
- Bestimmung elektrophysiologischer Eigenschaften wie Refraktärzeiten und Leitungsgeschwindigkeiten
Interpretation
Die Relation zwischen Pacing-Zykluslänge und intrinsischer Zykluslänge bestimmt die elektrophysiologische Antwort. Eine Zykluslänge oberhalb der intrinsischen Frequenz führt zu keiner Übernahme des Rhythmus. Eine Zykluslänge geringfügig unterhalb der intrinsischen Zykluslänge ermöglicht eine kontrollierte Überstimulation. Eine deutlich kürzere Zykluslänge kann funktionelle Blockierungen verursachen.
Bei Vorliegen dekrementaler Leitung kann die Interpretation beeinflusst sein, da es zu einer Verzögerung der Erregungsausbreitung unter Stimulation kommt.
Literatur
- Wieczorek, Kursbuch Kardiologische Elektrophysiologie, Thieme-Verlag. 2009
- Iden et al., Invasive Elektrophysiologie für Einsteiger, Springer-Verlag. 2022
- Hoffmann et al., Interventionelle kardiale Elektrophysiologie – Praxis-Lehrbuch, Springer-Verlag. 2012