Ottawa-Knöchel-Regeln
Englisch: Ottawa ankle rules
Definition
Die Ottawa-Knöchel-Regeln, kurz OAR, sind klinische Entscheidungsregeln zur Abschätzung der Notwendigkeit einer Röntgendiagnostik bei akuten Verletzungen des oberen Sprunggelenks und des Fußes.
Hintergrund
Die OAR wurden 1992 in Ottawa (Kanada) entwickelt und zielen darauf ab, unnötige Röntgenuntersuchungen sicher zu vermeiden, ohne klinisch relevante Frakturen zu übersehen. Die Regeln weisen eine sehr hohe Sensitivität von 97–99 % für das Erkennen knöcherner Verletzungen auf, bei einer Spezifität von 30–40 %. Durch ihren Einsatz können die Strahlenexposition und Gesundheitskosten reduziert werden.
Regeln
Die Ottawa-Knöchel-Regeln sind bei akuten stumpfen Traumata des Sprunggelenks oder Fußes anzuwenden, insbesondere bei Distorsionsverletzungen.
Ein Röntgen des Knöchels ist nur indiziert, wenn:
- Schmerzen im Malleolengabel-Bereich bestehen und
- Druckschmerz über dem lateralen oder medialen Malleolus vorliegt oder
- der Patient unmittelbar nach dem Trauma und in der Notaufnahme nicht vier Schritte gehen kann (Belastungsunfähigkeit)
Ein Röntgen des Fußes ist nur indiziert, wenn:
- Schmerzen im Mittelfußbereich bestehen und
- Druckschmerz über Basis des Os metatarsale V oder über dem Os naviculare besteht oder
- eine Belastungsunfähigkeit (vier Schritte nicht möglich) vorliegt
Literatur
- Bachmann et al., Accuracy of Ottawa ankle rules to exclude fractures of the ankle and mid-foot: systematic review, British Medical Journal, 2003