Luftspalttechnik
Englisch: air-gap technique
Definition
Die Luftspalttechnik ist eine Aufnahmetechnik in der Projektionsradiographie, bei der der Objekt-Detektor-Abstand bewusst vergrößert wird, um den Anteil der Streustrahlung zu reduzieren und dadurch den Röntgenkontrast zu verbessern.
Hintergrund
Beim Durchgang von Röntgenstrahlung durch den Körper entsteht neben der Primärstrahlung auch Streustrahlung, vor allem durch den Compton-Effekt. Die gestreuten Photonen werden in verschiedene Richtungen abgelenkt und können den Röntgendetektor erreichen. Dadurch entsteht ein zusätzlicher unspezifischer Signalanteil, der den Bildkontrast vermindert. Bei der Luftspalttechnik wird zwischen Objekt und Detektor ein Spalt von 10 bis 30 cm eingestellt. Streuphotonen, die unter schrägen Winkeln austreten, verfehlen dadurch häufig den Detektor. Die überwiegend geradlinig verlaufende Primärstrahlung erreicht den Detektor dagegen weiterhin. Dadurch reduziert sich der Anteil der Streustrahlung im Bild.
Geometrische Auswirkungen
Der vergrößerte Objekt-Detektor-Abstand führt zu einer Projektionsvergrößerung des abgebildeten Objekts. Gleichzeitig nimmt auch die geometrische Unschärfe zu, da sich die Auswirkungen der endlichen Fokusgröße stärker bemerkbar machen. Diese Effekte können teilweise durch einen größeren Fokus-Detektor-Abstand oder durch die Verwendung eines kleinen Brennflecks kompensiert werden.
Vergleich
Die Luftspalttechnik ist eine alternative Methode zur Reduktion von Streustrahlung. Im Vergleich zum Streustrahlenraster besitzt sie mehrere Eigenschaften:.
Vorteile
- Reduktion der Streustrahlung ohne zusätzliche Absorption von Primärstrahlung
- keine Erhöhung der erforderlichen Strahlendosis durch Rasterabsorption
Nachteile
- erhöhte Projektionsvergrößerung
- mögliche Zunahme der geometrischen Unschärfe
- größere Anforderungen an die Aufnahmegeometrie
Bedeutung in der Radiologie
In der modernen Radiologie wird die Luftspalttechnik nur noch selten eingesetzt, da die Reduktion der Streustrahlung heute meist durch Streustrahlenraster erreicht wird. Raster ermöglichen eine effektive Streustrahlungsreduktion ohne die bei der Luftspalttechnik auftretende Projektionsvergrößerung und Zunahme der geometrischen Unschärfe.
Die Luftspalttechnik wird jedoch weiterhin in bestimmten Situationen angewendet, beispielsweise bei einzelnen Schädelaufnahmen, in der pädiatrischen Radiologie zur Vermeidung eines Rasters, bei mobilen Aufnahmen oder in der intraoperativen Bildgebung mit dem C-Bogen.