Kephalometrie
Englisch: cephalometry, cephalometric analysis
Definition
Die Kephalometrie ist die allgemeine, standardisierte Vermessung von Schädel-, Kiefer- und dentoalveolären Strukturen anhand definierter anatomischer Bezugspunkte, die konventionelles Röntgen bis hin zur 3D-Bildgebung als Grundlage verwendet. Sie dient der Beurteilung von Wachstum und Lagebeziehungen im kraniofazialen Bereich.
Hintergrund
Grundsätzlich wird die Kephalometrie für alle kraniofazialen Analysen genutzt, einschließlich Forschung, Anthropologie und Wachstumsstudien. Die Fernröntgenanalyse (FRA) bezeichnet die klinische Anwendung der Kephalometrie auf einem Fernröntgenseitenbild (FRS) zur Diagnostik, Therapieplanung und Verlaufskontrolle in der Kieferorthopädie und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. In diesem Zusammenhang werden die Begriffe Kephalometrie und FRA häufig synonym verwendet.
Technik
Die Analyse erfolgt am häufigsten auf einem standardisierten Fernröntgenseitenbild. Bezugspunkte werden identifiziert, miteinander verbunden und zu Linien, Ebenen und Winkeln ausgewertet. Die Auswertung kann manuell oder digital erfolgen.
Segner-Hasund-Analyse
Zu den gebräuchlichen kephalometrischen Analyseverfahren zählt die Analyse nach Segner-Hasund, eine im europäischen Raum etablierte Methode mit Schwerpunkt auf der umfassenden Beurteilung skelettaler und dentaler Relationen im Fernröntgenseitenbild mit besonderem Fokus auf die vertikale Dimension.
Downs-Analyse
Die Downs-Analyse ist eine der ersten systematischen kephalometrischen Analysen zur Beurteilung der skelettalen Gesichtsform und der Einordnung des vertikalen und sagittalen Wachstumsmusters.
Ricketts-Analyse
Die Ricketts-Analyse bewertet neben skelettalen Strukturen auch das Weichteilprofil und erlaubt eine Abschätzung des Wachstums.
Tweed-Analyse
Die Tweed-Analyse fokussiert auf die Position des unteren Inzisivus im Verhältnis zur basalen Knochenstruktur und dient häufig als Entscheidungsgrundlage für Extraktionen.
Wits-Analyse
Die Wits-Analyse beurteilt die sagittale Kieferrelation unabhängig von der Schädelbasis anhand der Projektion von Punkt A und Punkt B auf die Okklusionsebene. Maßgeblich ist die lineare Distanz zwischen AO und BO zur Differenzierung der skelettalen Klasse (I, II oder III).
Schwarz-Analyse
Die Schwarz-Analyse ist eine kephalometrische Auswertungsmethode nach Arthur Martin Schwarz. Sie dient der Beurteilung sagittaler und vertikaler Kieferrelationen sowie des Wachstumstyps. Charakteristisch ist die Einteilung in Konvergenztyp, Neutraltyp und Divergenztyp.
Literatur
- Sander, Kieferorthopädie, 2. Auflage, Thieme, 2011
- Diedrich, Kieferorthopädie. Praxis der Zahnheilkunde – Studienausgabe, 4. Auflage, Urban & Fischer/Elsevier, 2000
- Schopf, Curriculum Kieferorthopädie, 4. Auflage, Quintessenz Verlag, 2008