Kölner Apraxie-Screening
Englisch: Cologne apraxia screening
Definition
Das Kölner Apraxie-Screening, kurz KAS, ist ein neuropsychologisches Screeninginstrument zur orientierenden Erfassung ideomotorischer und ideatorischer Apraxien. Es wurde für den klinischen Alltag entwickelt und ermöglicht eine rasche Einschätzung apraktischer Störungen, insbesondere bei Patienten mit erworbenen zerebralen Läsionen.
Hintergrund
Apraxien gehören zu den häufigen Folgestörungen von Hirnschädigungen, vor allem nach linkshemisphärischen Schlaganfällen. In der klinischen Praxis besteht daher ein Bedarf an zeiteffizienten Verfahren, die eine erste Einschätzung apraktischer Symptome erlauben. Das KAS wurde vor diesem Hintergrund als ökonomisches Screening konzipiert, das zentrale Aspekte der Handlungsplanung und -ausführung erfasst und eine frühzeitige diagnostische Einordnung unterstützt.
Zielsetzung
Ziel des KAS ist die frühzeitige Identifikation klinisch relevanter apraktischer Auffälligkeiten, um eine weiterführende neuropsychologische Diagnostik oder therapeutische Intervention gezielt zu veranlassen. Der Schwerpunkt liegt auf der Erkennung von Störungen der Planung, Organisation und Ausführung zielgerichteter Handlungen. Eine differenzierte Subtypisierung oder quantitative Schweregradeinschätzung ist nicht primäres Ziel des Screenings.
Aufbau
Das Screening umfasst mehrere handlungsbezogene Aufgaben, die auf verbale Aufforderung auszuführen sind. Dazu zählen unter anderem bedeutungshaltige Gesten, pantomimische oder reale Objektverwendungen sowie einfache sequenzielle Handlungen. Die Instruktionen sind kurz und sprachlich niedrigschwellig gehalten, sodass das Verfahren auch bei begleitenden Sprach- oder Aufmerksamkeitsstörungen einsetzbar ist. Die Durchführung erfolgt in der Regel im Einzelsetting und nimmt nur wenige Minuten in Anspruch.
Auswertung
Die Auswertung wird anhand eines standardisierten Bewertungsschemas vollzogen, mit dem Fehler in der Handlungswahl, der zeitlichen Abfolge oder der motorischen Umsetzung erfasst werden. Ein auffälliger Befund weist auf das Vorliegen einer Apraxie hin, ersetzt jedoch keine differenzierte Diagnostik. Die Ergebnisse sollten stets im Zusammenhang mit dem neurologischen Befund sowie anderen kognitiven Leistungen interpretiert werden.
Bedeutung
Das KAS findet vor allem Anwendung in der Akut- und Frührehabilitation neurologischer Erkrankungen, in der geriatrischen Diagnostik sowie im interdisziplinären klinischen Alltag. Aufgrund seiner kurzen Durchführungsdauer und einfachen Handhabung eignet es sich gut als Eingangsinstrument, etwa zur Entscheidungsfindung für weiterführende neuropsychologische Untersuchungen oder zur Therapieplanung in Ergotherapie und Logopädie.
Limitationen
Als Screeningverfahren ist die Aussagekraft des KAS begrenzt. Eine zuverlässige Beurteilung kann durch schwere motorische Einschränkungen, ausgeprägte Aphasie, Vigilanzminderungen oder andere kognitive Defizite erschwert sein.
Literatur
- Wirth, K., Held, A., Kalbe, E., Kessler, J., Saliger, J., Karbe, H., Fink, G. R., & Weiss, P. H. (2016). Das revidierte Kölner Apraxie-Screening (KAS-R) als diagnostisches Verfahren für Patienten mit rechtshemisphärischem Schlaganfall [A New Diagnostic Tool for Apraxia in Patients with Right-Hemisphere Stroke: The Revised Cologne Apraxia Screening (KAS-R)]. Fortschritte der Neurologie-Psychiatrie, 84(10), 633–639. https://doi.org/10.1055/s-0042-115843
- Rothi, L. J. G., & Heilman, K. M. (Hrsg.). Kölner Apraxie-Screening (KAS). Göttingen: Hogrefe. Online verfügbar unter: https://www.testzentrale.de/shop/koelner-apraxie-screening.html