Inversionszeit
Englisch: time of inversion, inversion time
Definition
Die Inversionszeit, kurz TI, ist in der Magnetresonanztomographie (MRT) die Zeitspanne zwischen einem 180°-Hochfrequenzpuls (Inversionspuls) und dem nachfolgenden Anregungspuls innerhalb einer Inversion-Recovery-Sequenz. Sie ist ein zentraler Sequenzparameter zur gezielten Beeinflussung der T1-Relaxation und ermöglicht die selektive Unterdrückung bestimmter Gewebesignale.
Physikalische Grundlagen
Nach einem 180°-Puls wird die Longitudinalmagnetisierung invertiert (Mz < 0). Anschließend erfolgt ein zeitabhängiger Wiederaufbau in Richtung des Gleichgewichtszustands durch T1-Relaxation. Die Inversionszeit bestimmt den Zeitpunkt, zu dem die Magnetisierung durch den folgenden Anregungspuls in ein messbares Signal überführt wird:
- kurze TI → Magnetisierung noch stark negativ
- lange TI → Magnetisierung bereits teilweise oder vollständig erholt
Der Verlauf der Longitudinalmagnetisierung nach Inversion kann beschrieben werden durch:
mit:
- - Longitudinalmagnetisierung zum Zeitpunkt
- - Gleichgewichtsmagnetisierung
- - T1-Relaxationszeit
Signalunterdrückung (Nullpunkt)
Für jedes Gewebe existiert eine spezifische Inversionszeit, bei der die Longitudinalmagnetisierung gerade null ist:
Daraus ergibt sich:
Wird der Anregungspuls genau zu diesem Zeitpunkt appliziert, entsteht kein Signal. Dieses Prinzip wird zur gezielten Signalunterdrückung genutzt.
Typische Anwendungen:
- STIR-Sequenz → Unterdrückung von Fett
- FLAIR-Sequenz → Unterdrückung von Liquor
Einfluss auf den Bildkontrast
Die Inversionszeit steuert den T1-basierten Bildkontrast, insbesondere durch gezielte Modulation der Longitudinalmagnetisierung:
- kurze TI: starke Beeinflussung durch T1-Unterschiede
- gezielte TI: selektive Signalunterdrückung bestimmter Gewebe
Sie ermöglicht eine differenzierte Darstellung von Geweben mit unterschiedlichen T1-Relaxationszeiten.
Zusammenhang mit weiteren Parametern
Die Inversionszeit wirkt in Kombination mit anderen Parametern:
- Repetitionszeit (TR): bestimmt die vollständige Relaxation zwischen den Zyklen
- Echozeit (TE): beeinflusst die T2- bzw. T2*-Relaxation