ICDC-Kriterien
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LoslegenSynonyme: ICDC-Kriterien, Internationale Konsensus-Diagnosekriterien der Autoimmunpankreatitis
Englisch: International Consensus Diagnostic Criteria for autoimmune pancreatitis, ICDC
Definition
Die ICDC-Kriterien, kurz ICDC, sind international konsentierte Diagnosekriterien für die Autoimmunpankreatitis (AIP). Sie wurden 2010 von einem internationalen Expertengremium im Rahmen des Kongresses der International Association of Pancreatology (IAP) erarbeitet und 2011 veröffentlicht. Sie ermöglichen die Diagnose und die Differenzierung zwischen Autoimmunpankreatitis Typ 1 und Typ 2.[1]
Kriterien
Die ICDC beruhen auf 5 diagnostischen Hauptkategorien: Parenchymale und duktale Bildgebung werden in der folgenden Tabelle getrennt dargestellt, gehören jedoch zu einer gemeinsamen Hauptkategorie. Sie unterscheiden sich in ihrer Beurteilung zwischen Typ 1 und Typ 2.[1] Die ICDC setzen für die duktale Bildgebung eine ERP und für die histologische Beurteilung Gewebe aus einer Stanzbiopsie oder einem Resektat voraus. Zytologisches Material aus einer Feinnadelaspiration ist für die histologischen ICDC-Kriterien nicht ausreichend. Die diagnostisch spezifischeren Befunde werden als Level 1, weniger spezifische, aber weiterhin charakteristische Befunde als Level 2 klassifiziert. In der parenchymalen Bildgebung entspricht dies einem typischen bzw. einem unbestimmten Befund.
Autoimmunpankreatitis Typ 1
| Kriterium | Level 1 | Level 2 |
|---|---|---|
| P – Parenchymale Bildgebung | Typisch: diffuse Vergrößerung mit verzögertem Enhancement, teils mit kapselartigem Randsaum | Unklar: herdförmig/fokale Vergrößerung des Pankreas mit verzögertem Enhancement |
| D – Duktale Bildgebung | Langstreckige (> 1/3 der Länge des Hauptgangs) oder multiple Strikturen des Pankreasgangs ohne proximale Dilatation | Segmentale oder fokale Strikturen ohne ausgeprägte proximale Dilatation (Gangweite < 5 mm) |
| S – Serologie | Serum-IgG4 > 2-fach erhöht | Serum-IgG4 1- bis 2-fach erhöht |
| OOI – Andere Organbeteiligungen | a oder b müssen zutreffen:
a) mindestens 3 der histologischen Merkmale extrapankreatischer Organe:
b) mindestens eines dieser radiologischen Kriterien:
|
a oder b müssen zutreffen:
a) Lymphoplasmarzelluläres Infiltrat ohne Granulozyten-Infiltration und über 10 IgG4-positiven Plasmazellen pro HPF in extrapankreatischen Organen oder endoskopischer Papillen-Biopsie
|
| H – Histologie | mindestens 3 der folgenden Kriterien:
|
mindestens 2 der in Level 1 beschriebenen Kriterien |
| Rt – Ansprechen auf Steroide | Radiologisch nachweisbares, schnelles Ansprechen (≤ 2 Wochen) auf einen Therapieversuch mit Steroiden | |
Beurteilung
Abhängig von der Kombination der bildgebenden und zusätzlichen Kriterien erfolgt die Einordnung als definitive oder wahrscheinliche AIP Typ 1:[1][2]
| Diagnose | Grundlage | Bildgebung (P) | Zusätzliche Kriterien |
|---|---|---|---|
| Definitiv | Histologie | Level 1 / 2 | Level 1 (H) |
| Bildgebung | Level 1 | Ein weiteres Level 1 oder 2-Kriterium (außer D) | |
| Level 2 | Level 1 S/OOI + Rt oder
Level 1 D + Level 2 S/OOI/H + Rt | ||
| Ansprechen auf Steoide | Level 2 | Level 1 S/OOI + Rt oder
Level 1 D + Level 2 S/OOI/H + Rt | |
| Wahrscheinlich | – | Level 2 | Level 2 S/OOI/H + Rt |
Autoimmunpankreatitis Typ 2
| Kriterium | Level 1 | Level 2 |
|---|---|---|
| P | Typisch: diffuse Vergrößerung mit verzögertem Enhancement, teils mit kapselartigem Randsaum | Unklar: herdförmig/fokale Vergrößerung des Pankreas mit verzögertem Enhancement |
| D | Langstreckige (> 1/3 der Länge des Hauptgangs) oder multiple Strikturen des Pankreasgangs ohne proximale Dilatation | Segmentale oder fokale Strikturen ohne ausgeprägte proximale Dilatation (Gangweite < 5 mm) |
| OOI | – | Chronisch entzündliche Darmerkrankung |
| H | Beide Kriterien:
|
Beide Kriterien:
|
| Rt | Radiologisch nachweisbares, schnelles Ansprechen (≤ 2 Wochen) auf einen Therapieversuch mit Steroiden | |
Beurteilung
| Diagnose | Bildgebung | Weitere Evidenz |
|---|---|---|
| Definitiv | Level 1/2 | Level 1 H oder
Level 2 OOI + Level 2 H + Rt |
| Wahrscheinlich | Level 1/2 |
Stellenwert der Steroidtherapie
Ein rasches radiologisch nachweisbares Ansprechen auf Glukokortikoide kann innerhalb der ICDC als diagnostisches Zusatzkriterium verwendet werden. Beurteilt wird eine Rückbildung oder deutliche Besserung innerhalb von höchstens zwei Wochen.[1]
Ein diagnostischer Steroidversuch darf jedoch erst nach sorgfältigem Ausschluss einer malignen Erkrankung erfolgen, einschließlich einer endosonographisch gesteuerten Gewebegewinnung. Dies ist insbesondere bei einer fokalen Pankreasvergrößerung von Bedeutung, da ein Pankreaskarzinom bildmorphologisch einer Autoimmunpankreatitis ähneln kann.
Abgrenzung
Die ICDC bauen auf wesentlichen diagnostischen Prinzipien früherer Kriterienkataloge auf, etwa den japanischen, koreanischen und asiatischen Kriterien sowie den an der Mayo Clinic entwickelten HISORt-Kriterien.[3]
Die ICDC erweitern dieses Konzept insbesondere durch die standardisierte Gewichtung der Befunde als Level 1 und Level 2 und durch die separate Diagnostik der AIP Typ 1 und Typ 2. Dadurch ermöglichen sie eine international einheitlichere Klassifikation unterschiedlicher Erscheinungsformen der Autoimmunpankreatitis. In einer Vergleichsstudie erreichten die ICDC eine diagnostische Genauigkeit von 95,0 % gegenüber 88,7 % für HISORt, vor allem durch eine höhere Sensitivität.[4]
Die deutsche S3-Leitlinie Pankreatitis empfiehlt die ICDC zur Diagnosestellung der Autoimmunpankreatitis.[5] Auf europäischer Ebene stützt sich auch die Leitlinie der United European Gastroenterology (UEG) zur IgG4-assoziierten Erkrankung des Verdauungstrakts auf die ICDC.[6]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Shimosegawa T et al. International consensus diagnostic criteria for autoimmune pancreatitis: guidelines of the International Association of Pancreatology. Pancreas. 2011;40(3):352-8.
- ↑ DGVS – Definition und Diagnosekriterien der autoimmunen Pankreatitis, abgerufen am 24.09.2026
- ↑ Chari ST et al. Diagnosis of autoimmune pancreatitis: the Mayo Clinic experience. Clin Gastroenterol Hepatol. 2006;4(8):1010-6.
- ↑ Maruyama M et al. International Consensus Diagnostic Criteria for Autoimmune Pancreatitis and Its Japanese Amendment Have Improved Diagnostic Ability over Existing Criteria. Gastroenterol Res Pract. 2013;2013:456965.
- ↑ AWMF. S3-Leitlinie Pankreatitis. AWMF-Registernummer 021-003. 2021. Publiziert in: Beyer G et al. Z Gastroenterol. 2022;60(3):419-521. Verfügbar unter: S3-Leitlinie Pankreatitis.
- ↑ Löhr JM et al. European Guideline on IgG4-related digestive disease – UEG and SGF evidence-based recommendations. United European Gastroenterol J. 2020;8(6):637-66.