Hirnbläschen
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LoslegenSynonyme: Gehirnbläschen, Vesiculae encephali
Englisch: brain vesicles
Definition
Die Hirnbläschen sind embryonale Vorläuferstrukturen des Gehirns. Sie entstehen in der 4. Entwicklungswoche als Erweiterungen am kranialen Ende des Neuralrohrs.
Embryologie
Primäre Hirnbläschen
Nach der Reihenfolge ihres Erscheinens unterscheidet man primäre und sekundäre Hirnbläschen. Die ersten Erweiterungen zeichnen sich bereits vor dem Verschluss des Neuroporus anterior ab. Bis zum Ende der 4. Entwicklungswoche bilden sich drei primäre Hirnbläschen (Drei-Bläschen-Stadium):
- Prosencephalon (Vorderhirn)
- Mesencephalon (Mittelhirn)
- Rhombencephalon (Rautenhirn)
Gemeinsam mit der Anlage des Rückenmarks bilden sie die Grundlage für das Zentralnervensystem.
Sekundäre Hirnbläschen
In der 5. Entwicklungswoche gliedern sich Prosencephalon und Rhombencephalon weiter auf. Aus dem Drei-Bläschen-Stadium entsteht so das Fünf-Bläschen-Stadium mit fünf sekundären Hirnbläschen:
- Das Prosencephalon teilt sich in das vordere Telencephalon und das hintere Diencephalon.
- Das Mesencephalon bleibt ungeteilt.
- Das Rhombencephalon teilt sich in das Metencephalon und das Myelencephalon.
Aus dem Prosencephalon stülpen sich zudem die Augenbläschen aus, aus denen Netzhaut und Sehnerv hervorgehen.
Hirnbeugen
Da das Gehirn schneller wächst als der umgebende Kopfbereich, knickt das Neuralrohr an drei Stellen ab. Bis zur 5. Entwicklungswoche entstehen zwei ventral gerichtete und eine dorsal gerichtete Beuge:
- Scheitelbeuge (Mittelhirnbeuge): ventral gerichtet, im Bereich des Mesencephalons
- Nackenbeuge: ventral gerichtet, am Übergang vom Rhombencephalon zum Rückenmark
- Brückenbeuge: dorsal gerichtet, zwischen Metencephalon und Myelencephalon
Die Brückenbeuge führt dazu, dass sich das Dach des Rhombencephalons stark ausdünnt. Am Boden entsteht die Rautengrube (Fossa rhomboidea).
Anatomie
Aus den sekundären Hirnbläschen gehen die Abschnitte des Gehirns hervor. Ihre Lumina bilden die Abschnitte des Ventrikelsystems, die sich aus dem Neuralkanal entwickeln.[1]
| Primäres Hirnbläschen | Sekundäres Hirnbläschen | Wichtige Derivate | Hohlraum |
|---|---|---|---|
| Prosencephalon | Telencephalon | Großhirnhemisphären, Basalganglien, Bulbus olfactorius | Seitenventrikel |
| Diencephalon
inkl. Augenbläschen |
Thalami, Neurohypophyse, Netzhaut | 3. Ventrikel | |
| Mesencephalon | Mesencephalon | Tectum, Tegmentum, Crura cerebri | Aquaeductus cerebri |
| Rhombencephalon | Metencephalon | Pons, Cerebellum | 4. Ventrikel |
| Myelencephalon | Medulla oblongata |
Klinik
Störungen in der Bildung und Gliederung der Hirnbläschen führen zu schweren Fehlbildungen des Gehirns:
- Anenzephalie: fehlender Verschluss des Neuroporus anterior mit fehlender Ausbildung großer Teile des Vorderhirns
- Holoprosenzephalie: unvollständige Teilung des Prosencephalons in zwei Hemisphären, häufig verbunden mit Gesichtsfehlbildungen bis hin zur Zyklopie
- Dandy-Walker-Malformation: Fehlbildung im Bereich des Metencephalons mit Hypoplasie des Kleinhirnwurms und zystischer Erweiterung des 4. Ventrikels
Quelle
- ↑ Lowery LA, Sive H. Totally tubular: the mystery behind function and origin of the brain ventricular system. Bioessays. 2009;31(4):446-458.