Hinterwand (Wirbelkörper)
Synonyme: Wirbelkörperhinterkante, Wirbelkörperhinterwand, posteriore Wirbelkörperwand
Englisch: posterior vertebral wall, posterior vertebral body margin
Definition
Die Hinterwand ist die dorsale Kompakta des Wirbelkörpers, die an den Spinalkanal grenzt.
Anatomie
Der Wirbelkörper ist der anterior gelegene, zylinderförmige Hauptanteil eines Wirbels. Die Hinterwand bildet den knöchernen Teil der ventralen Wand des Spinalkanals. Unmittelbar dorsal der Hinterwand liegt das hintere Längsband an.
In der Denis-Klassifikation wird die Hinterwand der "mittleren Säule" zugerechnet, die das hintere Drittel des Wirbelkörpers, den dorsalen Anteil der Bandscheibe sowie das hintere Längsband umfasst.
Klinik
Schädigungen des posterioren Ligamentkomplexes und der Hinterwand sind zentrale Kriterien zur Beurteilung der Stabilität von Wirbelkörperfrakturen. Eine Hinterwandbeteiligung gilt bei Wirbelsäulenverletzungen als Zeichen einer instabilen Fraktur.
Dislozierte Hinterwandfragmente können in den Spinalkanal wandern und dort Rückenmark und Nervenwurzeln komprimieren, was zu einem Querschnittsyndrom oder zum Wurzelkompressionssyndrom führen kann.
Diagnostik
Die Beurteilung der Hinterwand erfolgt mit der Bildgebung:
- CT: Goldstandard zur Beurteilung von knöchernen Fragmenten, Hinterkantenprotrusion und prozentualer Spinalkanaleinengung im axialen Schnitt
- Röntgen (konventionell, zwei Ebenen): Orientierende Beurteilung, Nachweis von Dislokationen
- MRT: ergänzend wichtig zur Beurteilung von Weichteilverletzungen (insbesondere Bandscheiben, posteriorer Ligamentkomplex und Rückenmark)
In der AO-Klassifikation/AO Spine Thoracolumbar Injury Classification ist die Beteiligung der Hinterwand eines der Unterscheidungsmerkmale zwischen stabilen und instabilen Wirbelfrakturen.
Therapie
Wirbelkörperfrakturen mit Hinterkantenbeteiligung sind potenziell instabil; die Therapie richtet sich nach sagittaler/koronarer Fehlstellung, Fragmentseparation, Spinalkanaleinengung, Bandscheibenverletzung und neurologischem Befund. Im Vordergrund steht dabei eine Dekompression des Spinalkanals und eine Stabilisierung der Fraktur.
Literatur
- AO Spine classification of thoracolumbar injuries (Radiopaedia.com)
- Mostoufi et al.: Clinical Guide to Musculoskeletal Medicine - A Multidisciplinary Approach, 2022