Geldzähltest nach Nikolaus
Definition
Der Geldzähltest nach Nikolaus ist ein kurzer neuropsychologischer Screening-Test, bei dem Patienten angewiesen werden, einen vorgegebenen Geldbetrag aus Münzen und Scheinen korrekt zusammenzustellen. Er wird vor allem im Rahmen der Demenz- und Delirdiagnostik angewendet, um kognitive Störungen zu erfassen, und dient als klinisches Orientierungsinstrument.
Hintergrund
Kognitive Störungen äußern sich im Alltag häufig zuerst bei komplexen, aber routinemäßigen Handlungen wie dem Umgang mit Geld. Das Zählen, Kombinieren und Überprüfen von Geldbeträgen erfordert die Integration mehrerer kognitiver Teilleistungen:
- Aufmerksamkeit und Konzentration (Aufrechterhaltung der Aufgabe)
- Arbeitsgedächtnis (Merken des Zielbetrags)
- Rechenfähigkeit (Grundrechenarten)
- Exekutivfunktionen (Planung, Sequenzierung, Fehlerkontrolle)
- Praxie und visuell-räumliche Verarbeitung (gezieltes Greifen und Anordnen der Geldstücke)
Durchführung
Dem Patienten wird eine Auswahl an Münzen und Scheinen vorgelegt. Er erhält die Aufgabe, einen bestimmten Geldbetrag korrekt zusammenzustellen, beispielsweise „Bitte geben Sie mir 7,40 Euro“.
Beobachtet und bewertet werden dabei:
- Richtigkeit des Endbetrags
- Vorgehensweise und Strategie
- Zeitbedarf
- Selbstkontrolle und Korrekturen
- Auftreten von Rechen-, Planungs- oder Handlungsfehlern
Interpretation
Der Test ersetzt keine umfassende neuropsychologische Diagnostik, kann jedoch wertvolle Hinweise für weiterführende Untersuchungen liefern. Auffällige Befunde sind dabei unter anderem systematische Rechenfehler, ein perseveratives oder chaotisches Vorgehen, eine fehlende Selbstkorrektur, eine deutliche Verlangsamung sowie die Unfähigkeit, den Zielbetrag zu erfassen oder über die Bearbeitungsdauer hinweg zu behalten.