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Geburtsvorhersage (Pferd)

Synonym: Vorhersage des Geburtstermins

1 Definition

Als Geburtsvorhersage bezeichnet man die Abschätzung des Geburtstermins eines Pferdes.

2 Physiologie

Das Pferd hat eine sehr variable Trächtigkeitsdauer von 320 bis 360 Tagen, wobei auch Trächtigkeiten von 305 bis 390 Tagen noch durchaus physiologisch ablaufen und zur Geburt eines reifen Fohlens führen können. Bei zeitig im Jahr belegten Stuten (im Winter oder bald im Frühjahr) dauert die Trächtigkeit häufig einige Tage länger als bei Tieren, die später im Jahr tragend geworden sind.

3 Hintergrund

Da Geburtsstörungen (Dystokien) beim Pferd sowohl lebensbedrohlich für die Stute als auch für das Fohlen sein können, ist eine konstante Überwachung von trächtigen Tieren notwendig. Anhand des Deck- bzw. Besamungszeitpunktes kann bei Stuten aufgrund der variablen Trächtigkeitsdauer der Geburtstermin nicht vorhergesagt werden, weshalb die Geburtsvorhersage anhand anderer Parameter festgemacht werden muss.

4 Maßnahmen

4.1 Klinische Symptome

Vor der eigentlichen Geburt kommt es bei Pferden zum sogenannten Vorbereitungsstadium. Die Anzeichen des Vorbereitungsstadiums können einige Tage, jedoch auch erst wenige Stunden vor dem Abfohlen, auftreten.

Die Stuten zeigen in der Vorbereitungsphase verschiedene Symptome:

  • Einfallen der Beckenbänder: aufgrund der gut ausgeprägten Glutealmuskulatur jedoch häufig schwierig zu palpieren
  • Aufeutern: das Euter wird größer und die Milchbildung setzt ein
  • Harztropfen: eingetrocknetes Vorkolostrum ist an der Zitzenkuppe sichtbar
  • Verlängerung und Fältelung der Vulva
  • Geburtsödem: Wassereinlagerung im Unterbauch kranial des Euters
  • Kolostrum: kurz vor der Geburt ist Kolostrum abmelkbar oder rinnt/tropft sogar spontan ab

4.2 Untersuchung der Milch

Vor der Geburt kommt es zum Anstieg des Kalziumgehalts in der Milch. Bei einem Wert unter 8 mmol/l ist es unwahrscheinlich, dass die Stute in den nächsten 24 Stunden abfohlt. Übersteigt der Wert 8 mmol/l, kann die Geburt zwar in den nächsten 24 Stunden stattfinden, sie kann jedoch auch erst in den nächsten Tagen erfolgen.

Zusätzlich kann der pH-Wert der Milch bestimmt werden. Sobald es zu einer Absenkung des pH-Wertes unter 7 kommt, fohlen die meisten Stuten innerhalb von 24 Stunden ab.

Der Milchkalziumgehalt und der pH-Wert der Milch sollte jedoch nicht zu häufig überprüft werden, da es durch die Manipulation am Euter zu einer Euterinfektion (Mastitis) kommen kann. Außerdem besteht die Gefahr, dass Teile des für das Fohlen wertvollen Kolostrums abgemolken werden.

4.3 Geburtenwächter

Als Geburtenwächter bezeichnet man Sonden, die entweder auf die Lage der Stute (Seitenlage) oder das vermehrte Schwitzen der Stute ansprechen. Diese Sonden lösen jedoch auch häufig einen Fehlalarm aus und sind daher nur bedingt einsetzbar.

Es gibt auch Sonden, die in das Vestibulum vaginae der Stute eingebracht werden können und bei Geburtsbeginn durch aktives Pressen herausgedrückt werden. Diese Sonden weisen jedoch einige Nachteile auf:

  • zu spätes Auslösen des Signals
  • kein Auslösen des Signals bei Schwergeburten, wenn das Fohlen den Geburtsweg nicht erreicht
  • mögliche Entwicklung einer in den Geburtsweg aufsteigenden Infektion

4.4 Videokamera

Mittels einer Videokamera kann der Geburtstermin zwar nicht direkt vorhergesagt werden, jedoch bietet sie eine gute Möglichkeit, die Stute ständig zu überwachen, ohne sie zu stören.

5 Literatur

  • Aurich, Christine. Reproduktionsmedizin beim Pferd. Gynäkologie - Andrologie - Geburtshilfe. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Parey-Verlag, 2004.
  • I. F. Canisso, B. A. Ball, M. H. Troedsson, E. S. M. Silva, G. M. Davolli. Decreasing pH of mammary gland secretions is associated with parturition and is correlated with electrolyte concentrations in prefoaling mares. Veterinary Record 2013.

Diese Seite wurde zuletzt am 14. Mai 2020 um 15:46 Uhr bearbeitet.

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