Forensische Entomologie
Definition
Die Forensische Entomologie ist ein Teilgebiet der Forensik, das sich mit der Untersuchung von Insekten, wie nekrophagen Arthropoden (v.a. Diptera und Coleoptera), im Zusammenhang mit postmortalen Prozessen beschäftigt.
Geschichte
Frühe Anwendungen von Methoden der forensischen Entomologie lassen sich bis ins China des 13. Jahrhunderts zurückverfolgen. Im 19. Jahrhundert gab es erste systematische Kadaverstudien. In der Neuzeit wurden teils großflächige Leichenfarmen (Body Farm) angelegt, in denen Leichen unter kontrollierten Bedingungen verwesen, was eine wissenschaftliche Untersuchung und Systematisierung von Erkenntnissen erlaubt.
Aufgaben
In der forensisch-entomologischen Untersuchung werden Insekten und Insektenlarven auf Leichen, lebenden Körpern, Lebensmitteln und Gebäuden untersucht, um Hinweise auf Todeszeitpunkt, Todesursache, Todesumstände und mögliche Ortswechsel zu finden. Die Madenentwicklung und Artenfolge werden im Kontext von Umwelteinflüssen (Temperatur, Feuchtigkeit, örtliche Faktoren) interpretiert. Zu beachten ist, dass die forensische Entomologie der Bestimmung des postmortalen Intervalls (PMI) dient und keinen genauen Todeszeitpunkt definieren kann.
Methoden
Das Madenalter wird anhand entomologischer Entwicklungsmodelle unter Berücksichtigung von Umweltfaktoren bestimmt. Hierzu kommen unter anderem Isomegalen-Diagramme, artspezifische Entwicklungsmodelle sowie thermische Summenmodelle zum Einsatz, die als etablierte Standardmethoden der forensischen Entomologie gelten.
Wichtige Methoden umfassen:
- Fixierung und Analyse von Larven
- Artenanalyse zur Bestimmung des Kolonisierungszeitpunkts
- DNA-Barcoding zur genetischen Bestimmung der Insektenarten
- Ermittlung der Accumulated degree hours (Produkt aus Zeit und Temperatur)
- Untersuchung von Madenfraß
Weblinks
- Forensische Entomologie (Universitätsklinikum Frankfurt)
- Forensische Entomologie (Die Kriminalpolizei)
- Forensische Insektenkunde (Deutsches Ärzteblatt)