Entsättigungsindex
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LoslegenSynonym: Sauerstoff-Entsättigungsindex
Englisch: oxygen desaturation index, ODI
Definition
Der Entsättigungsindex, kurz ODI, ist die Anzahl der Sauerstoff-Entsättigungsereignisse pro Stunde Schlaf- bzw. Aufzeichnungszeit. Er dient der Erfassung und Schweregradabschätzung nächtlicher Hypoxämien, insbesondere bei schlafbezogenen Atmungsstörungen.
Hintergrund
Ein Entsättigungsereignis liegt vor, wenn die pulsoximetrisch gemessene Sauerstoffsättigung (SpO2) um einen definierten Schwellenwert – üblicherweise 3 % oder 4 % – gegenüber dem Ausgangswert abfällt. Ein solcher Abfall bedeutet nicht zwingend, dass die Sättigung unter 90 % sinkt (z.B. Abfall von 96 % auf 92 %).[1]
Messverfahren
Der ODI wird mittels Pulsoximetrie bestimmt. Die Messung erfolgt im Rahmen einer Polysomnographie oder Polygraphie sowie als alleinige nächtliche Pulsoximetrie, die aufgrund ihrer einfachen Durchführbarkeit auch als Screening-Verfahren eingesetzt wird.
Schwellenwerte und Einflussgrößen
Als Schwellenwert für ein Entsättigungsereignis werden je nach Auswertekriterien 3 % oder 4 % verwendet. Die aktuellen Kriterien der American Academy of Sleep Medicine (AASM) empfehlen 3 %. Der Zahlenwert des ODI hängt daher wesentlich ab von:
- dem gewählten Entsättigungs-Schwellenwert (ODI3 % vs. ODI4 %)
- dem Bezugswert im Nenner (gesamte Schlafzeit bei der Polysomnographie vs. Aufzeichnungszeit bei alleiniger Oximetrie)
- Bewegungsartefakten sowie dem verwendeten Gerät
Referenzbereiche und Interpretation
Die Schweregradeinteilung orientiert sich an den Grenzwerten des AHI:
| ODI (Ereignisse/h) | Bewertung |
|---|---|
| < 5 | unauffällig |
| 5–15 | leichtgradig |
| 15–30 | mittelgradig |
| > 30 | schwergradig |
Die Grenzwerte sind nicht einheitlich standardisiert und dienen der orientierenden Einordnung.
Hinweis: Referenzwerte sind häufig vom Messverfahren abhängig und können von den o.a. Werten abweichen. Ausschlaggebend sind die Referenzwerte, die vom Labor angegeben werden, das die Untersuchung durchführt.
Klinische Bedeutung
Die durch die Entsättigungen abgebildete intermittierende Hypoxämie gilt als wesentlicher Mechanismus der kardiovaskulären und metabolischen Folgeschäden der obstruktiven Schlafapnoe. Auswertungen der European Sleep Apnoea Database (ESADA) zeigten, dass bei gemeinsamer Betrachtung von AHI und ODI nur der ODI unabhängig mit der Prävalenz einer arteriellen Hypertonie assoziiert war.[1]
Einschränkungen
Der ODI bildet weder die Dauer noch die Tiefe der einzelnen Entsättigungen ab. Zur genaueren Charakterisierung der nächtlichen Hypoxämie wurden daher ergänzende Parameter wie die T90 (Zeit mit SpO2 < 90 %) und die hypoxische Last vorgeschlagen. Zudem erfasst der ODI auch Entsättigungen, die nicht durch eine Schlafapnoe, sondern durch pulmonale Grunderkrankungen oder Höhenexposition bedingt sind.[1]
Abgrenzung
Der ODI erfasst ausschließlich respiratorische Ereignisse, die zu einer messbaren Sauerstoffentsättigung führen. Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) zählt dagegen alle Apnoen und Hypopnoen unabhängig davon, ob eine Entsättigung auftritt. Beide Indizes korrelieren stark, sind aber nicht identisch. Aus einer alleinigen nächtlichen Oximetrie lässt sich nur der ODI, nicht jedoch der AHI bestimmen.
Quelle
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Blekic N et al. Impact of desaturation patterns versus apnea–hypopnea index in the development of cardiovascular comorbidities in obstructive sleep apnea patients. Nat Sci Sleep. 2022;14:1457-1468.
Literatur
- Berry RB et al. The AASM Manual for the Scoring of Sleep and Associated Events. American Academy of Sleep Medicine; aktuelle Version.