Embodiment
Definition
Das Konzept des Embodiment versteht mentale Funktionen als Resultat einer dynamischen Wechselwirkung von Gehirn, Körper und Umwelt in konkreten Handlungsszenarien, nicht als isolierte Ergebnisse zentralnervöser Verarbeitung.
Hintergrund
Der Begriff etablierte sich seit den 1990er-Jahren in den Kognitionswissenschaften. Er entand als Gegenentwurf zu klassischen Modellen der Informationsverarbeitung, die Kognition primär als symbolische Verarbeitung interner Repräsentationen auffassen. Embodiment integriert Ansätze aus Psychologie, Neurowissenschaften, Linguistik und Philosophie und weist konzeptionelle Bezüge zur Phänomenologie sowie zur Entwicklungspsychologie auf. In der Medizin bietet das Konzept insbesondere in der Psychosomatik und Psychiatrie einen theoretischen Bezugsrahmen.
Klinischer Bezug
Im klinischen Kontext dient Embodiment der Einordnung von Wechselwirkungen zwischen Körper und Geist. Interozeptive Signale und Bewegung gelten als relevante Einflussfaktoren für Affektregulation und Verhalten. Das Konzept wird herangezogen, um psychosomatische Zusammenhänge zu beschreiben und körperorientierte Interventionen in der Psychotherapie und Rehabilitation theoretisch einzuordnen.
Abgrenzung
Embodiment grenzt sich von neurobiologischen Modellen ab, die kognitive und emotionale Prozesse ausschließlich auf zentrale neuronale Aktivität zurückführen. Vom Behaviorismus unterscheidet sich das Konzept durch die Annahme innerer mentaler Zustände und deren systematische Einbettung in körperliche und situative Kontexte. Gegenüber der Psychosomatik ist Embodiment kein Krankheits- oder Störungsansatz, sondern ein übergeordneter theoretischer Rahmen zur Beschreibung der Verkörperlichung psychischer Prozesse.
Literatur
- Varela et al. The embodied mind: Cognitive science and human experience. The MIT Press. 1991