Bestätigungsfehler
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
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Definition
Der Bestätigungsfehler, englisch Confirmation Bias, beschreibt eine kognitive Verzerrung, bei der Informationen bevorzugt wahrgenommen oder interpretiert werden, wenn sie bestehende Annahmen, Hypothesen oder Erwartungen bestätigen. Widersprechende Informationen werden dagegen abgeschwächt, umgedeutet oder ignoriert. Der Bestätigungsfehler beeinflusst die Informationsverarbeitung bereits während der Datenerhebung und nicht erst in der retrospektiven Bewertung.
Hintergrund
Der Bestätigungsfehler ist ein zentrales Konzept der Entscheidungs- und Kognitionspsychologie. Er entsteht aus dem Zusammenspiel begrenzter kognitiver Ressourcen, heuristischer Entscheidungsstrategien und dem menschlichen Bedürfnis nach Konsistenz. Bereits früh im Entscheidungsprozess gebildete Hypothesen strukturieren die weitere Wahrnehmung und lenken die Aufmerksamkeit selektiv auf passende Hinweise.
In komplexen Entscheidungssituationen dient diese Selektion der kognitiven Entlastung, erhöht jedoch das Risiko systematischer Verzerrungen. Neue Informationen werden nicht neutral bewertet, sondern in Relation zu bestehenden Erwartungen interpretiert. Dadurch kann sich eine einmal angenommene Hypothese selbst stabilisieren, auch wenn alternative Erklärungen plausibel bleiben.
Klinische Bedeutung
In der Medizin beeinflusst der Bestätigungsfehler diagnostische und therapeutische Entscheidungen erheblich. Frühe Verdachtsdiagnosen steuern die Auswahl weiterer Untersuchungen und die Interpretation von Befunden. Passende Befunde werden als bestätigend wahrgenommen, inkonsistente Zeichen dagegen relativiert oder als unspezifisch eingeordnet.
Dies begünstigt verfrühte diagnostische Festlegungen, unvollständige Differenzialdiagnostik und eine verzögerte Korrektur falscher Annahmen, insbesondere bei unspezifischer Symptomatik, Zeitdruck und unvollständiger Datenlage.
Beispiel
Ein Patient stellt sich mit Thoraxschmerzen, Dyspnoe und Tachykardie vor. Aufgrund des Alters und fehlender kardiovaskulärer Vorerkrankungen wird initial von einer nichtkardialen Ursache ausgegangen. Ein unauffälliges Ruhe-EKG wird als bestätigend interpretiert, während diskrete Risikofaktoren und eine zunehmende Schmerzintensität zunächst keine Änderung der Einschätzung bewirken.
Erst bei klinischer Verschlechterung erfolgt eine weiterführende Diagnostik, die ein akutes Koronarsyndrom zeigt. Retrospektiv erscheinen die Warnzeichen eindeutig, während im Entscheidungsprozess zuvor widersprüchliche Hinweise geringer gewichtet wurden. Der Bestätigungsfehler wirkte hier bereits bei der initialen Hypothesenbildung und der selektiven Interpretation der Folgeinformationen.
Strategien zur Reduktion
Der Bestätigungsfehler ist nicht vollständig vermeidbar, kann jedoch durch strukturierte Entscheidungsprozesse begrenzt werden. Zentrale Maßnahmen sind die explizite Prüfung alternativer Hypothesen und die regelmäßige Reevaluierung diagnostischer Annahmen bei neuen Befunden.
In Fallbesprechungen ist die Rekonstruktion der ursprünglichen Hypothesenbildung und der verfügbaren Informationen entscheidend. In Ausbildung und Lehre sollte der Bestätigungsfehler als regelhaftes Denkphänomen vermittelt werden, mit Fokus auf einen reflektierten Umgang mit Unsicherheit im klinischen Alltag.
Literatur
- Tversky et. al., Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases, Science 1974, abgerufen am 10.01.2026
- Meißner et. al., Klinische Entscheidungsfindung in der Notfallmedizin: Notfallmedizin up2date. Thieme Verlag KG, abgerufen am 10.01.2026
- P. Hofinger, Human Factors und Patientensicherheits in der Akutmedizin, Springer-Verlag, abgerufen am 10.01.2026