Beinhalteversuch
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LoslegenSynonyme: Beinvorhalteversuch, Beinhalteprobe, Halteversuch der unteren Extremität
Englisch: leg holding test, Mingazzini test
Definition
Der Beinhalteversuch, kurz BHV, ist eine orientierende neurologische Untersuchungsmethode zum Nachweis diskreter zentraler Paresen der unteren Extremität. Er wird meist zusammen mit dem Armhalteversuch im Rahmen der klinisch-neurologischen Untersuchung durchgeführt.
Durchführung
Es werden zwei Varianten unterschieden:
- Beinhalteversuch nach Mingazzini: Der Patient liegt in Rückenlage und beugt beide Beine im Hüftgelenk und im Kniegelenk jeweils um etwa 90°, sodass die Unterschenkel waagerecht gehalten werden.
- Beinhalteversuch nach Barré: Der Patient liegt in Bauchlage und beugt beide Kniegelenke, sodass die Unterschenkel senkrecht gehalten werden.
In beiden Varianten hält der Patient die Position mit geschlossenen Augen für etwa 20 bis 30 Sekunden. Der Untersucher beobachtet dabei, ob ein Bein absinkt oder abweicht.
Befund
Der Befund wird nach folgenden Kriterien beurteilt:
- Unauffällig: Beide Beine werden symmetrisch und ohne Abweichung in Position gehalten.
- Zentrale Parese: Bei einer Läsion der Pyramidenbahn, z.B. bei einer Hemiparese nach Schlaganfall, sinkt das kontralaterale Bein ab. Beim Mingazzini-Versuch sinkt typischerweise zuerst der Unterschenkel und im Verlauf auch der Oberschenkel ab.
- Zerebelläre Störung: Bei Läsionen des Kleinhirns kann das Bein ungerichtet schwanken oder abweichen.
- Sensible Störung: Bei gestörter Propriozeption treten mit geschlossenen Augen unwillkürliche Suchbewegungen auf, die sich bei geöffneten Augen bessern.
Klinische Bedeutung
Der Beinhalteversuch kann diskrete Paresen der unteren Extremität sichtbar machen, die bei der Kraftprüfung einzelner Muskelgruppen noch unauffällig sind. In einer Studie an Patienten mit Verdacht auf eine leichte einseitige zerebrale Läsion verbesserte der Mingazzini-Versuch die Aussagekraft einer Testkombination aus Armhalteversuch ("Pronator Drift"), Feinmotorik und Muskeleigenreflexen. Er ließ sich jedoch nicht bei allen Patienten durchführen.[1] Ein unauffälliger Befund schließt eine zentrale Läsion nicht aus.
Einschränkungen
Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen im Bereich von Hüfte, Knie oder Wirbelsäule können die Durchführung erschweren oder den Befund verfälschen. Gleiches gilt für eine eingeschränkte Kooperationsfähigkeit.
Differentialdiagnosen
Ein Absinken des Beins kann neben einer zentralen Parese auch folgende Ursachen haben:
- periphere Paresen
- schmerz- oder orthopädisch bedingte Einschränkungen
- funktionelle Schwäche
Zur Abgrenzung einer funktionellen Schwäche der unteren Extremität eignen sich positive klinische Zeichen wie das Hoover-Zeichen und der Abduktor-Test.[2] Ergänzend dienen die Kraftprüfung, der Reflexstatus und Koordinationsuntersuchungen.
Quellen
- ↑ Teitelbaum et al. Tests of motor function in patients suspected of having mild unilateral cerebral lesions. Can J Neurol Sci. 2002;29(4):337-44.
- ↑ AWMF. S2k-Leitlinie: Funktionelle Bewegungsstörungen. AWMF-Registernummer 030/148. 2026. Verfügbar unter: S2k-Leitlinie Funktionelle Bewegungsstörungen.
Literatur
- Zeiler K et al. Klinische Neurologie I: Grundlagen für Human- und Zahnmediziner. 2. Aufl. Facultas Universitätsverlag; 2006.