Armhalteversuch
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LoslegenSynonyme: Armhalteprobe, Barré-Test, Halteversuch der oberen Extremität
Englisch: pronator drift test, Barré sign
Definition
Der Armhalteversuch, kurz AHV, ist eine orientierende neurologische Untersuchungsmethode zur Erfassung diskreter zentraler Paresen der oberen Extremität.
Durchführung
Der Patient sitzt oder liegt mit geschlossenen Augen. Er wird aufgefordert, beide Arme mit gestreckten Ellenbogengelenken und nach oben gerichteten Handflächen (Supination) vorzuhalten. Nach dem Schema der NIHSS beträgt die Anteversion im Schultergelenk im Sitzen 90° und in Rückenlage 45°. Die Haltedauer wird uneinheitlich angegeben. In einer Validierungsstudie erzielte eine Haltedauer von 45 Sekunden die beste Aussagekraft.[1]
Durch das Schließen der Augen entfällt die visuelle Kontrolle der Armposition. Dadurch werden diskrete Defizite besser sichtbar.
Befund
Der Befund wird nach folgenden Kriterien beurteilt:
- Unauffällig: Beide Arme werden symmetrisch in Position gehalten.
- Zentrale Parese: Bei einer Läsion der Pyramidenbahn, z.B. nach einem Schlaganfall, sinkt der betroffene Arm langsam ab. Typisch ist eine Pronationstendenz des Unterarms, oft mit leichter Beugung in Ellenbogen und Fingern. Dieses Zeichen wird auch als "Pronator Drift" bezeichnet.
- Zerebelläre Störung: Bei Läsionen des Kleinhirns kann der Arm nach oben oder außen abweichen.
- Sensible Störung: Bei gestörter Propriozeption treten mit geschlossenen Augen ungerichtete Suchbewegungen der Finger und des Arms auf (Pseudoathetose). Bei geöffneten Augen bessern sie sich.
Klinische Bedeutung
Der Armhalteversuch ist schnell und ohne Hilfsmittel durchführbar. Er eignet sich zur Aufdeckung diskreter oder beginnender Hemiparesen, die bei der Kraftprüfung einzelner Muskelgruppen oft noch unauffällig sind. In einer Studie an 170 Patienten erreichte er eine Sensitivität von 92,2 % und eine Spezifität von 90,0 % für CT-gesicherte Läsionen der motorischen Areale. In Kombination mit Finger-Tapping und Muskeleigenreflexen stieg die Sensitivität auf 97 %.[1] Andere Untersuchungen berichten eine deutlich geringere Sensitivität. Ein unauffälliger Befund schließt eine zentrale Läsion aber nicht aus.
Der Armhalteversuch ist in modifizierter Form Bestandteil der NIHSS zur Schweregradeinschätzung beim Schlaganfall.
Differentialdiagnosen
Ein Absinken des Arms kann neben einer zentralen Parese auch folgende Ursachen haben:
- periphere Paresen
- schmerzbedingte oder orthopädische Einschränkungen im Schulterbereich
- funktionelle Schwäche
Bei einer funktionellen Schwäche sinkt der Arm im Armvorhalteversuch typischerweise ohne Pronation ab.[2] Zur weiteren Einordnung dienen ergänzende Untersuchungen wie der Beinhalteversuch, die Kraftprüfung, die Prüfung der Muskeleigenreflexe und Koordinationstests.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Teitelbaum et al. Tests of motor function in patients suspected of having mild unilateral cerebral lesions. Can J Neurol Sci. 2002;29(4):337-44.
- ↑ AWMF. S2k-Leitlinie: Funktionelle Bewegungsstörungen. AWMF-Registernummer 030/148. 2026.