Abacavir
Abkürzung: ABC
Englisch: abacavir
Definition
Abacavir ist ein Virostatikum aus der Gruppe der nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI), das im Rahmen einer Kombinationstherapie von HIV-infizierten Patienten angewendet wird.
Chemie
Abacavir ist ein carbozyklisches Adenosinanalogon. Es unterscheidet sich vor allem im Zuckerteil des Nukleosids. Es handelt sich um ein substituiertes Cyclopenten, das an Position 3 nicht hydroxyliert ist. Die Hydroxylgruppe ist zur Kettenverlängerung bei der (reversen) Transkription notwendig.
Wirkmechanismus
Vor Einbau von Abacavir in neu synthetisierte DNA werden die Nukleosidanaloga intrazellulär phosphoryliert. Abacavir hemmt kompetitiv die RNA-abhängige reverse Transkriptase. Außerdem führt der Einbau von Abacavir zum Kettenabbruch der reversen Transkription der viralen RNA.
Pharmakokinetik
Abacavir wird nach oraler Gabe rasch und nahezu vollständig resorbiert. Die Bioverfügbarkeit beträgt etwa 80–85 %. Maximale Plasmakonzentrationen werden nach etwa 1–2 Stunden erreicht. Die Plasmaproteinbindung ist gering (ca. 50 %).
Abacavir ist gut gewebegängig und passiert auch die Blut-Hirn-Schranke, sodass therapeutisch relevante Konzentrationen im Liquor erreicht werden.
Der Wirkstoff wird überwiegend in der Leber metabolisiert, hauptsächlich durch Alkoholdehydrogenase und Glucuronidierung. Dabei entstehen inaktive Metaboliten.
Die Elimination erfolgt zu etwa 80–85 % renal in Form von Metaboliten, wohingegen nur ein geringer Anteil unverändert ausgeschieden wird. Die Plasmahalbwertszeit beträgt ca. 1,5 Stunden, die intrazelluläre Halbwertszeit des aktiven Metaboliten ist jedoch deutlich länger.
Eine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion ist in der Regel nicht erforderlich, bei schwerer Leberinsuffizienz kann jedoch eine Anpassung notwendig sein.
Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen von Abacavir sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Nausea, Erbrechen, Diarrhö und Schlafstörungen.
Die wichtigste Nebenwirkung einer Therapie mit Abacavir ist eine Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber dem Wirkstoff (Abacavir-Hypersensitivität), die bei etwa 5% der Behandelten auftritt. Diese äußert sich u.a. durch Fieber, Exanthem, Abgeschlagenheit und Beschwerden im Gastrointestinaltrakt.