ADH1B
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Synonyme: Alkoholdehydrogenase 1B, β-Alkoholdehydrogenase
Historische Genbezeichnung: ADH2
Englisch: alcohol dehydrogenase 1B (class I), beta polypeptide
Definition
ADH1B ist ein Gen, das die β-Untereinheit der Klasse-I-Alkoholdehydrogenase kodiert. Das gleichnamige Protein ist am Abbau von Ethanol beteiligt. Genetische Varianten von ADH1B beeinflussen die Enzymaktivität und das Risiko einer Alkoholabhängigkeit.
Biochemie
Die β-Untereinheit bildet funktionelle Homodimere oder Heterodimere mit den α- bzw. γ-Untereinheiten, die durch ADH1A und ADH1C kodiert werden. ADH1B wird besonders stark in der Leber und im Fettgewebe exprimiert. Neben Ethanol können Alkoholdehydrogenasen weitere Substrate umsetzen, darunter Retinol und andere aliphatische Alkohole.
Funktion
ADH1B katalysiert die Oxidation von Ethanol zu Acetaldehyd. Dabei dient NAD⁺ als Elektronenakzeptor:
Acetaldehyd wird anschließend durch Aldehyddehydrogenasen, insbesondere ALDH2, zu Acetat oxidiert. ADH1B und ALDH2 wirken somit an aufeinanderfolgenden Schritten des Ethanolabbaus.
Genlokalisation und Genstruktur
ADH1B liegt beim Menschen auf Chromosom 4 in der Region 4q23 und gehört zum eng benachbarten ADH-Gencluster auf 4q21-q23. Die Klasse-I-ADH-Gene sind in diesem Cluster in tandemartiger Anordnung organisiert; innerhalb dieses Abschnitts liegt ADH1B zwischen ADH1C und ADH1A.[1][2]
Das Gen umfasst mehrere Exons und bildet mehrere proteinkodierende Transkriptvarianten; für ADH1B sind mindestens zwei Transkriptvarianten beschrieben, aus denen unterschiedliche Isoformen hervorgehen.[3][4]
Es sind mehrere Transkripte exprimiert, deren Gewebeverteilung unterschiedlich ist; dabei dominiert in der Leber ein eigenes Isoformmuster.[5]
Genetische Varianten
Zu den funktionell bedeutsamen Varianten gehören:
| Allel | Polymorphismus | Charakteristische Aminosäuren bzw. Aminosäureaustausch | Funktionelle Bedeutung |
|---|---|---|---|
| ADH1B*1 | – | Arg48 und Arg370 | Vergleichsweise geringere katalytische Aktivität |
| ADH1B*2 | rs1229984 | Arg48His | Deutlich erhöhte Geschwindigkeit der Ethanoloxidation unter experimentellen Bedingungen |
| ADH1B*3 | rs2066702 | Arg370Cys | Veränderte Enzymkinetik mit erhöhter Ethanoloxidation unter bestimmten Substratbedingungen |
Die erhöhte Aktivität der Varianten ist nicht unmittelbar mit einer entsprechend beschleunigten Alkoholimination im gesamten Organismus gleichzusetzen. Diese hängt zusätzlich von weiteren Stoffwechselschritten ab.
Klinische Bedeutung
ADH1B*2 ist mit einem geringeren Alkoholkonsum und einem verminderten Risiko für Alkoholabhängigkeit assoziiert. Dieser Zusammenhang wurde auch in Populationen europäischer und afrikanischer Abstammung nachgewiesen.[6] Als möglicher Mechanismus werden unangenehme Wirkungen einer vorübergehend erhöhten Acetaldehydbildung diskutiert.
Auch für ADH1B*3 besteht eine Assoziation mit einem verminderten Abhängigkeitsrisiko.[7] Die Varianten beeinflussen die individuelle Anfälligkeit, bestimmen die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit jedoch nicht allein.
Eine ausgeprägte Flush-Reaktion nach Alkoholkonsum ist vor allem mit einer verminderten ALDH2-Aktivität verbunden. Eine erhöhte ADH1B-Aktivität führt bei funktionstüchtiger ALDH2 nicht zwangsläufig zu einer starken Acetaldehydakkumulation, da Acetaldehyd effizient weiter abgebaut werden kann.
Quellen
- ↑ OMIM ADH1B, abgerufen am 07.10.2026
- ↑ The Genetics of Alcohol Metabolism, abgerufen am 07.10.2026
- ↑ GeneGlobe ADH1B, abgerufen am 07.10.2026
- ↑ The Human Protein Atlas ADH1B, abgerufen am 07.10.2026
- ↑ ADH1B: from alcoholism, natural selection, and cancer to the human genome, PMC, 2017
- ↑ Bierut et al., ADH1B is associated with alcohol dependence and alcohol consumption in populations of European and African ancestry, Mol Psychiatry, 2012
- ↑ Gelernter et al., Genome-wide association study of alcohol dependence:significant findings in African- and European-Americans including novel risk loci, Mol Psychiatry, 2014