Ärzte ohne Grenzen
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonym: Médecins Sans Frontières
Englisch: Doctors Without Borders
Definition
Die Ärzte ohne Grenzen, kurz MSF (französisch Médecins Sans Frontières), ist eine internationale humanitäre Hilfsorganisation. Sie leistet weltweit medizinische Nothilfe in Konfliktregionen und medizinisch unterversorgten Regionen, u.a. bei Naturkatastrophen, Epidemien und gesellschaftlicher Instabilität.
Geschichte
MSF wurde 1971 von einer Gruppe französischer Ärzte und Journalisten gegründet, darunter Bernard Kouchner und Max Récamier. Auslöser war der Biafra-Konflikt (1967–1970), in dem die späteren Gründer als Helfer des Roten Kreuzes tätig waren. Die Erfahrung politisch gebundener Neutralitätsverpflichtungen führte zur Idee einer unabhängigen Organisation, die neben medizinischer Hilfe auch öffentlich auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam macht (Prinzip der témoignage, dt. „Zeugenschaft").[1] Die Organisation erhielt 1999 den Friedensnobelpreis.[2]
Prinzipien
MSF verpflichtet sich in seiner Arbeit vier Grundprinzipien:
- Unabhängigkeit: MSF handelt unabhängig von staatlichen, militärischen und politischen Akteuren sowie von wirtschaftlichen Interessen.
- Neutralität und Unparteilichkeit: Hilfe wird allein nach dem Ausmaß der medizinischen Notlage vergeben, ohne Ansehen von Nationalität, Religion oder politischer Zugehörigkeit der Betroffenen.
- Medizinische Ethik: Die Würde und das Wohl der Patienten stehen im Mittelpunkt aller Entscheidungen.
- Zeugenschaft (témoignage): MSF benennt öffentlich die Ursachen von Krisen und Menschenrechtsverletzungen, auch wenn dies politisch unbequem ist.
Struktur
Das internationale Sekretariat von MSF hat seinen Sitz in Genf. Die Bewegung umfasst 24 nationale Sektionen; operative Entscheidungen liegen bei sechs operativen Zentren in Amsterdam, Barcelona, Brüssel, Genf, Paris sowie dem West and Central Africa Centre (WaCA). MSF beschäftigt weltweit rund 67.000 Mitarbeiter, von denen etwa 90 % lokale Fachkräfte sind. Internationales Einsatzpersonal erhält eine Aufwandsentschädigung sowie Unterkunft und Verpflegung im Einsatz.[3]
Tätigkeitsfelder
MSF leistet medizinische Nothilfe bei:
- bewaffneten Konflikten (chirurgische Notfallversorgung, Traumabehandlung)
- Naturkatastrophen und akuten humanitären Krisen (Katastrophenmedizin)
- Pandemien und Epidemien (u.a. Tuberkulose, HIV, Malaria, Ebola, Infektionskrankheiten)
- Flucht und Migration
- chronischer medizinischer Unterversorgung (z.B. Müttergesundheit, akute Mangelernährung)
MSF setzt Projekte aus oder beendet sie, wenn die Sicherheit des Personals oder die Unabhängigkeit der humanitären Arbeit nicht gewährleistet sind.
Finanzierung
Die Organisation finanziert sich nahezu ausschließlich aus privaten Spenden und lehnt staatliche Mittel grundsätzlich ab, um die operative Unabhängigkeit zu wahren. Rund 98 % der Einnahmen stammen aus privaten Quellen.[3]
Quellen
- ↑ Bortolotti D. Hope in Hell: Inside the World of Doctors Without Borders. Firefly Books; 2004.
- ↑ The Nobel Committee. The Nobel Peace Prize 1999. NobelPrize.org. Verfügbar unter: Nobel Peace Prize 1999 – Médecins Sans Frontières.
- ↑ 3,0 3,1 Médecins Sans Frontières. International Activity Report 2023. Genf: MSF International; 2024. Verfügbar unter: MSF International Activity Report.