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Plexus brachialis

Synonyme: Armgeflecht, Armplexus
Englisch: brachial plexus

1 Definition

Der Plexus brachialis ist ein Nervengeflecht des peripheren Nervensystems (PNS), das aus den anterioren Ästen (Rami) der Spinalnerven C5-C8 und Th1 gebildet wird. Aus ihm gehen Nerven für Arm, Schulter und Brust hervor.

2 Funktion

Der Plexus brachialis sorgt für die motorische Innervation der Schulter- und Brustmuskulatur sowie für die motorische und sensible Innervation des Arms und der Hand.

3 Strukturelle Gliederung

Nach strukturellen Gesichtspunkten kann man den Plexus brachialis grob in drei Abschnitte gliedern: die Trunci (Stämme), die Fasciculi (Bündel) und die daraus schließlich entspringenden Nervi (Nerven).

3.1 Trunci

Die so genannten Trunci oder Primärstämme sind die direkt auf die vorderen Spinalnervenäste folgenden Hauptstämme des Plexus brachialis, welche zwischen den Skalenusmuskeln durch die senkrecht verlaufende Skalenuslücke ziehen. Aufgrund ihrer topographischen Anordnung unterscheidet man:

  • Truncus superior: Entsteht durch Vereinigung der Nervenfasern aus C5 und C6
  • Truncus medius: Entsteht direkt aus den Nervenfasern aus C7
  • Truncus inferior: Entsteht durch Vereinigung der Nervenfasern aus C8 und Th1

Zusätzlich können als anatomische Variation kleinere Faseranteile des vierten Zervikalsegments (C4) und des zweiten Thorakalsegments (Th2) an der Bildung des Plexus brachialis beteiligt sein.

3.2 Fasciculi

Im weiteren Verlauf nach distal gibt jeder Truncus einen vorderen und einen hinteren Ast ab (Divisiones anteriores et posteriores), die wiederum die Faszikel (Bündel) oder Sekundärstämme bilden. Diese lagern sich charakteristisch um die Arteria axillaris an, sodass sich die Nomenklatur der Faszikel auf ihre Lage zur Arterie bezieht. Man unterscheidet:

  • Fasciculus lateralis: Dieser Faszikel entsteht durch die Vereinigung der Divisiones anteriores aus dem Truncus superior und dem Truncus medius.
  • Fasciculus medialis: Er entsteht aus der Divisio anterior des Truncus inferior.
  • Fasciculus posterior: Dieser Faszikel entsteht aus den drei Divisiones posteriores aller Trunci.
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3.3 Endäste

Aus den einzelnen Fasciculi wiederum gehen, eventuell durch Zusammenlagerung von Faseranteilen aus verschiedenen Faszikeln, die verschiedenen Nerven hervor, die hier kurz angerissen werden sollen:

3.4 Weitere Nerven

Weiterhin entspringen direkt aus den Segmenten des Rückenmarks bzw. aus den Trunci folgende Nerven:

4 Topografische Unterteilung

Nach topografischen Gesichtspunkten kann man den Plexus brachialis in 2 Abschnitte unterteilen:

  • Pars supraclavicularis: Oberhalb der Clavicula (Schlüsselbein) gelegen
  • Pars infraclavicularis: Unterhalb der Clavicula gelegen

4.1 Supraklavikulärer Teil

Im supraklavikulären Teil findet man die 3 Trunci (superior, medius und inferior) und folgende Nerven:

  • Nervus dorsalis scapulae (C4, C5)
  • Nervus subclavius (C5, C6)
  • Nervus thoracicus longus (C5-C7)
  • Nervus suprascapularis (C4-C6)

4.2 Infraklavikulärer Teil

Im infraklavikulären Teil findet man die drei Fasciculi (lateralis, medialis und posterior) des Plexus brachialis. Sie liegen in der tiefen Schicht der Mohrenheim-Grube (Fossa infraclavicularis) und werden nach ihrer relativen Lage zur Arteria axillaris bezeichnet. Die Fasciculi und ihre Äste im Einzelnen:

  • Fasciculus lateralis
    • Nervus musculocutaneus
    • Nervus medianus (Radix lateralis)
  • Fasciculus medialis
    • Nervus ulnaris
    • Nervus cutaneus brachii medialis
    • Nervus cutaneus antebrachii medialis
    • Nervus medianus (Radix medialis)
  • Fasciculus posterior
    • Nervus radialis
    • Nervus axillaris

Kurz vor den Faszikeln gehen die kurzen infraklavikulären Äste zu den Muskeln der Schulter ab:

  • Nervus thoracodorsalis (C6-C8)
  • Nervi subscapulares (C5, C6)
  • Nervi pectorales medialis (C8, Th1) et lateralis (C5-C7)

Cave: Es gibt zahlreiche anatomische Variationen der Nervenverzweigungen. Das oben angegebene Schema stellt nur eine Möglichkeit dar. Die Nervi subscapulares und der Nervus thoracodorsalis können aus dem Fasciculus posterior hervorgehen. Der Nervus pectoralis lateralis entspringt manchmal auch aus dem Fasciculus lateralis, ebenso der Nervus pectoralis medialis aus dem Fasciculus medialis.

5 Klinik

Nach einem teilweisen oder vollständigen Abriss der Nervenwurzeln des Plexus brachialis durch Gewalteinwirkung (z.B. Zugkräfte) oder Geburtstraumen kommt es zur so genannten Armplexuslähmung. Sie macht sich durch charakteristische sensible und motorische Ausfälle im Bereich des Arms bemerkbar. Man unterscheidet eine obere Plexuslähmung vom Typ Erb-Duchenne und eine untere Plexuslähmung vom Typ Klumpke.

Ist der Durchtritt des Plexus brachialis durch die hintere Skalenuslücke im Halsbereich verengt, kann sich ein so genanntes Skalenussyndrom entwickeln.

Die neuralgische Schulteramyotrophie ist eine Entzündung des Plexus brachialis, die durch zirkulierende Immunkomplexe ausgelöst wird.

Der Plexus brachialis kann bei operativen Eingriffen am Arm oder zur Behandlung von Schmerzzuständen auch gezielt durch Lokalanästhetika ausgeschaltet werden. Diese Form der regionalen Anästhesie bezeichnet man als Plexusanästhesie.

6 Merkhilfen

Um sich die Faszikel, aus denen die einzelnen Nerven entspringen, besser merken zu können, gibt es einige Merksprüche.

Merkspruch Nerv Faszikel
Marylin Nervus musculocutaneus Fasciculus lateralis
Monroe Nervus medianus Fasciculus lateralis und Fasciculus medialis
und Nervus ulnaris Fasciculus medialis
King Nervus cutaneus brachii medialis Fasciculus medialis
Kong Nervus cutaneus antebrachii medialis Fasciculus medialis
retten die Nervus radialis Fasciculus posterior
Anatomie Nervus axillaris Fasciculus posterior

Weiterhin mag recht hilfreich sein, wenn man sich folgendes merkt:
"Axel radelt zur Post": Der Nervus axillaris und radialis entspringen aus dem Fasciculus posterior.
"LAMM": Aus dem lateralen Faszikel entstammen der musculocutaneus und der medianus.
"Meine Mutter unterrichtet kleine Kinder": Aus dem "me"dialen Faszikel entstammen der "m"edianus, der "u"lnaris, der "c"utaneus brachii medialis sowie der "c"utaneus antebrachii medialis.

6.1 Nerven der Pars infraclavicularis

Faltig lacht meine pekinesische Lama-Mutante.
Fasciculus lateralis: N. medianus, N. pectoralis lateralis, N. musculocutaneus

Faulig meckert meine persische Meereskuh-Brünette, meistens ultra kumpelhaft an Mexikanern.
Fasciculus medialis: N. medianus, N. pectoralis medialis, N. cutaneus brachii medialis, N. ulnaris, N. cutaneus antebrachii medialis

Fauchend pokern Axt-suchende Todes-Radieschen.
Fasciculus posterior: N. axillaris, N. subscapularis, N. thoracodorsalis, N. radialis

6.2 Nerven der Pars supraclavicularis

Suppen-Suff dosiert skrupellosen Toaster-Lobbyismus.
N. suprascapularis, N. subclavius, N. dorsalis scapulae, N. thoracicus longus.

siehe auch: Plexus cervicalis, Plexus lumbalis, Plexus sacralis

Fachgebiete: Obere Extremität

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