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Nervus facialis

von lateinisch: facies - Gesicht
Synonyme: Nervus intermediofacialis, Nervus VII, 7. Hirnnerv, Gesichtsnerv
Englisch: facial nerve

1 Definition

Der Nervus facialis ist der siebte der von kranial nach kaudal aus dem Gehirn austretenden Hirnnerven. Er enthält die zu den Strukturen des zweiten Kiemenbogens ziehenden motorischen Fasern, sowie über den Nervus intermedius parasympathische, sensorische und sensible Fasern.

Um den zusammengesetzten Charakter des Nerven klarer hervorzuheben, wird er auch als Nervus intermediofacialis bezeichnet.

2 Embryologie

Der Nervus facialis wird zu den Kiemenbogennerven gerechnet und entwickelt sich aus dem Nerven des 2. Kiemenbogens. Er innerviert deshalb alle Muskeln, die sich aus der Muskelanlage dieses Kiemenbogens gebildet haben speziell viszeromotorisch.

3 Faserqualitäten und Innervation

Der Nervus facialis ist der einzige Hirnnerv, der motorische, sensorische, sensible und parasympathische Fasern führt. Er wird von etwa 10.000 Nervenzellen gebildet, von denen rund 7.000 markhaltige, motorische Fasern aussenden. Die anderen 3.000 Zellen sind dem Nervus intermedius zuzurechnen und besitzen marklose parasympathische, sensorische und sensible Fasern.

3.1 Motorische Anteile

Die motorischen Anteile des Nervus facialis aus dem Nucleus nervi facialis innervieren vor allem die mimische Muskulatur sowie die hinteren Anteile der suprahyoidalen Muskulatur, also den Musculus stylohyoideus und Venter posterior des Musculus digastricus. Daneben existieren Fasern, die zum Musculus stapedius ziehen und für die Feinregulation des Gehörs verantwortlich sind.

3.2 Sensorische Anteile

Die sensorischen Fasern des Nerven verlaufen mit der Chorda tympani über den Intermediusanteil in den Nucleus tractus solitarii und gewährleisten die Innervation der Geschmacksknospen im Bereich der Zungenpapillen in den vorderen 2/3 der Zunge. Die Perikaryen der pseudounipolaren Neurone liegen im Ganglion geniculi, das einem Spinalganglion entspricht.

3.3 Sensible Anteile

Die sensiblen Fasern des Nervus facialis ziehen zur Haut des Meatus acusticus externus und des Trommelfells; von dort übermitteln sie neben Schmerz- und Berührungsreizen vor allem Temperaturempfindungen (siehe kalorischer Nystagmus).

3.4 Parasympathische Anteile

Der Nervus facialis erhält über den Nervus intermedius parasympathische Nervenfasern aus dem Nucleus salivatorius superior, die mit der Chorda tympani zur Mundhöhle verlaufen und für die Innervation der Mundspeicheldrüsen sorgen. Daneben ziehen parasympathische Anteile des Nervus facialis als Nervus petrosus major zur Tränendrüse und innervieren diese.

4 Verlauf

Die Kerngebiete des Nervus facialis befinden sich im Bereich der Medulla oblongata. Nachdem seine Fasern den Abducenskern (Nucleus nervi abducentis) umrundet haben (inneres Facialisknie), verlassen sie das Gehirn im Bereich des Kleinhirnbrückenwinkels. Über den Porus acusticus internus zieht der Nerv in den Meatus acusticus internus des Felsenbeins, an dessen Fundus er in den Canalis nervi facialis eintritt.

Im Bereich des Felsenbeins bildet der Nervus facialis auch das Ganglion geniculi, in dem sich die Perikaryen der afferenten Fasern befinden, die dann weiter zum Nucleus tractus solitarii verlaufen. Durch einen abgebogenen Verlauf des Nervenkanals bildet der Nerv ein zweites, äußeres "Knie", das Geniculum nervi facialis.

4.1 Äste

Noch im Felsenbein gibt der Nervus facialis drei seiner Äste ab, den Nervus petrosus major, der parasympathische Fasern für die Innervation der Tränendrüse enthält, den Nervus stapedius für die Versorgung des Musculus stapedius, und die Chorda tympani.

Nach dem Austritt aus dem Felsenbein durch das Foramen stylomastoideum gehen weitere Äste ab, der Nervus auricularis posterior und die Rami stylohyoideus et digastricus, die zur Muskulatur des Halses ziehen.

Der Nervus facialis verläuft weiter in der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotidea), in der er ein feines Nervengeflecht, den Plexus parotideus, bildet. Er lässt sich in zwei Hauptäste unterteilen, die obere Pars tempororfacialis und die untere Pars cervicofacialis, die sich dann beide rasch weiter in feinere Äste aufgliedern.

4.2 Plexus parotideus

Der Plexus parotideus, auch Plexus intraparotideus genannt, liegt zwischen dem oberflächlichen und dem tiefen Anteil der Ohrspeicheldrüse und innerviert vor allem die mimische Muskulatur. Aus ihm gehen folgende Äste hervor:

5 Pathologie

Der Nervus facialis kann bei einer Reihe von Erkrankungen geschädigt werden; Konsequenzen dabei sind meistens Lähmungserscheinungen (Facialisparesen).
Solche Lähmungen können entweder im peripheren Bereich des Nerven auftreten und durch Infektionskrankheiten (Borreliose, Zoster oticus), mechanische Schädigungen (Felsenbeinfrakturen) oder Tumoren bedingt sein, oder auf eine zentrale Schädigung zurückzuführen sein. Weitere wichtige Ursachen sind Hirnblutungen, Zerebralinfarkte oder Hirntumoren (besonders Kleinhirnbrückenwinkeltumoren).

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Fachgebiete: Kopf und Hals

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