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Carboanhydrase-Hemmer

Englisch: carbonic anhydrase inhibitor

1 Definition

Carboanhydrase-Hemmer sind Medikamente aus der Gruppe der (Diuretika).

2 Wirkungsmechanismus

Die Carboanhydrase ist an den apikalen Abschnitten der Tubuluszellen im proximalen Tubulussystem des Nephrons zu finden. Es katalysiert die Reaktion:

  • CO2+H2O --> H2CO3

Die Carboanhydrase ist somit an der Rückresorption von Natrium im proximalen Tubulus entscheidend beteiligt. Natrium wird aus dem Tubuluslumen durch einen Na+/H+-Antiport rückresorbiert.

Gelangt im Austausch für ein Natriumion ein Proton in das Tubuluslumen, reagiert es mit den im Harn befindlichen Hydrogencarbonat-Anionen (HCO3-) zu Kohlensäure (H2CO3).

Diese wird durch die Carboanhydrase zu Wasser und CO2 umgesetzt, welches die Tubulusmembran schnell passieren kann um nach erneuter Umsetzung durch die Carboanhydrase zu Kohlensäure im Inneren der Zelle ein Proton abspalten kann, welches erneut zur Natriumrückresorption zur Verfügung steht.

Die Carboanhydrase sorgt also im Bestreben zur Rückgewinnung von Natrium im proximalen Tubulus für einen optimalen Umsatz der Protonen.

Im Harn wird die Menge von Wasser, Hydrogencarbonat-Anionen, Natrium und indirekt auch Kalium gesteigert. Die diuretische Wirkung ist jedoch im Vergleich zu Schleifendiuretika bzw. Thiaziddiuretika weniger stark ausgeprägt.

3 Nebenwirkungen

Über den Verlust an Hydrogencarbonat-Anionen entsteht als Nebenwirkung eine metabolische Azidose. Diese ist jedoch selbstlimitierend, da eine Azidose ihrerseits die Wirkung der Carboanhydrase-Hemmer abschwächt.

Bei langfristiger Anwendung von Carboanhydrase-Hemmstoffen entsteht eine relevante Hypokaliämie. Der diuretische Effekt ebbt demgegenüber nach wenigen Tagen der Anwendung ab.

Eine wichtige Kontraindikation für die Anwendung von Carboanhydrase-Hemmern ist die Leberinsuffizienz, da unter der Therapie mit Carboanhhydrase-Hemmern die Ausscheidung von Ammonium vermindert und eine Anhäufung von Ammoniak begünstigt ist (hepatische Enzephalopathie).

4 Indikationen

Zur Ausschwemmung von Ödemen oder der Behandlung eines Hypertonus sind Carboanhydrase-Hemmstoffe nicht geeignet und wurden von anderen Substanzgruppen der Diuretika verdrängt.

Die häufigste Indikation ist die temporäre Senkung des Augeninnendruckes bei einem Glaukomanfall, wobei durch Wirkung an der Carboanhydrase des Ziliarkörpers die Produktion des Kammerwassers gedrosselt wird.

Eine ungewöhnlich anmutende Indikation ist die Prophylaxe der Höhenkrankheit. Bei Aufstiegen in große Höhen eingenommen, wirken Carboanhydrase-Hemmer der respiratorischen Alkalose entgegen, die bei einem verminderten Sauerstoffpartialdruck entsteht.

5 Substanzen

Die einzige im klinischen Einsatz befindliche Substanz aus der Gruppe der Carboanhydrase-Hemmstoffe ist das Acetazolamid.

Fachgebiete: Pharmakologie

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